Verdacht auf Aktienkursmanipulationen: Livedoor-Chef in Japan verhaftet

Verdacht auf Aktienkursmanipulationen
Livedoor-Chef in Japan verhaftet

Der Skandal um die Internetfirma Livedoor zieht weiter Kreise. Nachdem die Tokioter Aktienbörse unter dem Eindruck von Ermittlungen gegen das Unternehmen am Montag weiter abgestürzt ist wurde nun auch noch der Livedoor-Chef verhaftet.

HB TOKIO. Die Tokioter Ermittlungsbehörde teilte mit, sie habe Takafumi Horie und drei weitere Livedoor-Führungskräfte am Montag wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Wertpapiergesetz festgenommen. Auf seiner persönlichen Internet-Seite hatte der 33-Jährige am Sonntag geschrieben, er könne sich an keine der Livedoor vorgeworfenen Vergehen erinnern.

Der Konzern soll Investoren falsch informiert haben. Außerdem wird dem Unternehmen vorgeworfen, Scheinübernahmen von Firmen eingefädelt zu haben, die es bereits kontrollierte. Dazu habe Livedoor eigene Aktien ausgegeben und sie mit Gewinn verkauft.

Die Ermittlungen hatten vergangene Woche bei vielen Anlegern Ängste ausgelöst, dass auch andere Technologie-Firmen sie betrogen haben könnten. Deshalb verkauften sie in kurzer Zeit so viele Aktien, dass das Computersystem der Börse in Tokio an den Rande seiner Kapazität gelangte. Der Handel musste abgebrochen werden.

Unter dem Eindruck von Ermittlungen gegen das Internet-Unternehmen ist es am Montag zu einem weiteren Kurssturz in Tokio gekommen. Der Nikkei-Index, das führende Börsenbarometer in Japan, fiel zu Beginn des Handels um mehr als zwei Prozent auf 15,369,75. Zum Börsenschluss ergab sich ein Verlust von 2,14 Prozent auf 15 360,65 Punkte. In der vergangenen Woche hatten die Aktien bereits 4,6 Prozent an Wert verloren.

Der Studienabbrecher Horie hatte das Vorgängerunternehmen von Livedoor mit nur 50 000 Dollar Startkapital gegründet. Mit seiner aggressiven Übernahmestrategie und einer offensiven Vermarktung seiner eigenen Person als Markenzeichen gelang es ihm, den Börsenwert auf mehr als sechs Mrd. Dollar zu steigern. Livedoors Portal ist die beliebteste Web-Site in Japan. Zudem besitzt die Gruppe fast 50 Software-, Berater- oder E-Commerce-Firmen.

2004 versuchte Horie, ein professionelles Baseball-Team zu kaufen. Zudem lieferte er sich im vergangenen Jahr einen Übernahmekampf gegen einen großen Medienkonzern. Damit wurde er vollends zu einer Symbolfigur eines neuen dynamischen Japans. Ministerpräsident Junichiro Koizumi bewegte den Jungunternehmer sogar zu einer Kandidatur für einen Parlamentssitz. Horie verlor allerdings.

Begleitet wurde seine Karriere jedoch schon lange von herber Kritik. Sie entzündete sich zum Beispiel an dem luxuriösen Auftreten des Unternehmers, etwa mit seinem Ferrari und seinem Privat-Flugzeug. Auch Hories erklärtes Lebensmotto provozierte: „Geld verdienen ist alles“.

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