Verdacht der Untreue
Mannheimer-Topmanager im Visier der Staatsanwaltschaft

Der Zusammenbruch der Mannheimer Lebensversicherung hat die Justiz auf den Plan gerufen: Die Mannheimer Staatsanwaltschaft leitete am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue ein.

HB MANNHEIM. Ermittelt wird nach Angaben von Oberstaatsanwalt Hubert Jobski gegen zwei führende Köpfe und einen ehemaligen Topmanager des finanziell schwer angeschlagenen Unternehmens. Der Versicherer reagierte überrascht auf die Ankündigung der Staatsanwaltschaft. „Im Haus liegt nichts vor“, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen werde aber auf jeden Fall kooperieren. „Wir haben nichts zu verbergen.“

Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und dem Finanzchef der Mannheimer AG Holding sowie dem Vorstandschef der Lebensversicherung AG wird laut Anklage vorgeworfen, gegen ihre Pflichten zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Versicherungsnehmer verstoßen zu haben. Die Beschuldigten sollen riskante Kapitalanlagegeschäfte vorgenommen haben, ohne entsprechende Absicherungsmaßnahmen zu treffen. Ein effektives System zum Risikocontrolling habe nicht bestanden. Dieses Vorgehen habe das Unternehmen an den Rand der Insolvenz gebracht.

Die finanzielle Schieflage der Lebensversicherungs-Tochter hatte dem Versicherer zum Halbjahr tiefrote Zahlen gebracht. Deren Insolvenz hatte die Mannheimer AG Holding im Juni nur durch eine Einigung mit der Auffanggesellschaft Protektor verhindern können. Damit war die Mannheimer Leben zum ersten Fall für die von der Versicherungsbranche gegründete Gesellschaft geworden. Die Unterdeckung soll sich auf 215 bis 230 Mill. € belaufen. Diese Summe wurde in ein verzinsliches Darlehen an die Holding umgewandelt. An der Auffanggesellschaft haben sich 103 Lebensversicherer beteiligt.

Protektor will nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Günter Himstedt von Dienstag von Anfang Oktober an alle 345 000 Verträge mit einem Volumen von etwa 18 Mrd. € übernehmen und fortführen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) muss der Übernahme noch abschließend zustimmen.

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