Verdacht der Untreue
Razzia bei Ex-HSH-Chef Nonnenmacher

Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten die Wohnungen des Ex-Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher. Er soll von einer Intrige gegen einen früheren Vorstandskollegen der Bank gewusst haben.
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KielDie Staatsanwaltschaft Kiel hat am vergangenen Mittwoch in Frankfurt und Hamburg die Wohnungen des früheren Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, durchsucht. Die Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, Birgit Heß, bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Sie ermittelt gegen den Ex-Banker wegen falscher Verdächtigung durch Unterlassen sowie wegen Untreue.

Hintergrund für die Durchsuchungen ist der Rauswurf des früheren HSH-Nordbank-Vorstands Frank Roth im April 2009. Roth war fristlos mit der Begründung gefeuert worden, er habe Bankinterna an die Presse weitergeleitet. Die vorgelegten angeblichen Beweise stellten sich bald danach allerdings als fingiert heraus, die Bank musste Roth vollständig rehabilitieren und mit einer Millionensumme entschädigen.

Auf der Suche nach den Drahtziehern der mutmaßlichen Intrige wird neben dem früheren Justiziar der Bank, Wolfgang Gößmann, nun auch Nonnenmacher als Beschuldigter geführt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft könnte Nonnenmacher von der falschen Verdächtigung gewusst und nichts dagegen unternommen haben.

In den Skandal, der indirekt zu Nonnenmachers eigenem Rücktritt Anfang 2011 beigetragen hatte, war damals auch ein Sicherheitsunternehmen verwickelt. Der Untreueverdacht ergibt sich „Spiegel Online“ zufolge daraus, dass die HSH Nordbank diese Firma im Zusammenhang mit dem Rauswurf bezahlt haben soll. Offenbar haben sich bei der Auswertung von Computerfestplatten neue Erkenntnisse ergeben.

Nonnenmachers Anwalt teilte mit, er könne zu dem Vorgang nichts sagen, wie es in dem „Spiegel“-Bericht heißt. Ex-Justiziar Gößmann hatte die Vorwürfe stets bestritten, ebenso die inzwischen insolvente Sicherheitsfirma.

Die HSH erklärte, sie habe Kenntnis, dass gegen Nonnenmacher wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung und der Untreue ermittelt werde. "Wir haben sofort Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Kiel beantragt und werden unverzüglich nach der Gewährung derselben prüfen, ob sich aus den Ermittlungsakten neue Erkenntnisse ergeben, die uns zur Geltendmachung von Ansprüchen gegen die Beschuldigten ermächtigen."

Die Durchsuchung steht nicht in Verbindung mit der Anklage, die die Hamburger Staatsanwaltschaft vor dem Hintergrund von Wertpapiergeschäften der HSH Nordbank gegen Nonnenmacher erhob. Das Institut war durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise nach 2008 und verlustreiche Spekulationen in Schieflage geraten. Die Hauptanteilseigner, die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein, mussten mit Kapitalspritzen und Garantien in Milliardenhöhe stabilisieren. Auch der Bankenrettungsfonds des Bundes (SoFFin) sprang ein.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verdacht der Untreue: Razzia bei Ex-HSH-Chef Nonnenmacher"

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  • Nonnenmacher und Seinesgleichen, siehe "Deutscher Deppensenkel"

  • Interessanter finde ich, dass Nonnenmacher in seinen Zeiten als Oberzocker der HSH €17 Mrd. aus den Bilanzen in eine Zweckgesellschaft "Omega 55" mit Sitz auf Guernsey verschoben hat, um sie der deutschen Bankenaufsicht zu entziehen. Wie wir alle wissen, hat er damit einen Milliardenverlust eingefahren, den seither der deutsche Steuerzahler abstottern darf.
    Für diese Bilanzfälschungen ist er nicht einen Tag im Knast gesessen, stattdessen hat er ein Jahresgehalt von €500.000 plus €2.900.000 Bonuszahlungen gehabt.

    -Gegen all das sind die jetzigen juristischen Geplänkel doch nur einfach ein Witz..


  • Gewusst haben soll er möglicherweise von einer Intrige ?
    Angezettelt hat er sie natürlich nicht. Er war ja nur der Vorstandsvorsitzende. Und außerdem: können diese Augen lügen?

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