Verfahren gegen Lay und Skilling
Enron-Prozess geht dem Ende entgegen

Im Prozess um die spektakuläre Pleite des einst siebtgrößten US-Konzerns Enron sind die Zeugenbefragungen am Montag überraschend zu Ende gegangen. Die Schlussplädoyers sollen nun am 15. Mai beginnen. Bis dahin schickte der Richter die Jury nach Hause.

thk/HB HOUSTON. Das Ende der Zeugenbefragungen kam unerwartet früh. Die Verteidigung erklärte, sie hätte weitere leitende Ex-Manager des Energiehandelsunternehmens im Zeugenstand sehen wollen, und beschuldigte die Regierung, diese von einer Aussage abgehalten zu haben. Den Managern sei mit einer Anklage gedroht worden. „Wir wollten, dass diese Leute kommen und aussagen. Die Regierung hat sie einfach nicht gelassen“, sagte Dan Petrocelli, Anwalt des angeklagten Ex-Enron-Chairmans Jeffrey Skilling.

Dieser steht gemeinsam mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Ken Lay wegen des Vorwurfs der Verschwörung, des Betrugs und des Insiderhandels vor Gericht. Die beiden sollen Analysten, Anleger und Angestellte über die finanzielle Misere der Firma bewusst im Dunkeln gelassen haben, um sich selbst zu bereichern.

Einst lag der Börsenwert von Enron bei 68 Milliarden Dollar, bevor die Pleite des Konzerns Tausende Arbeitsplätze und eine Milliarde Dollar an Pensionsfonds vernichtete. Ehemalige Anteilseigner fordern Schadensersatz für Verluste in Höhe von 25 Milliarden Dollar, die ihnen durch die falschen Äußerungen des Managements entstanden seien.

Bei den letzten Zeugenaussagen ging es nur noch um charakterliche Fragen: Während ein Pfarrer zu Gunsten Lays aussagte, erklärte der ehemalige Enron-Manager Michael Muckleroy, dass Lay im Geschäftsleben mehrfach gelogen habe.

Lay und Skilling beteuerten im Verfahren wiederholt ihre Unschuld und machten vor allem den geständigen Ex-Finanzchef Andrew Fastow für die Bilanzierungstricks und Kursmanipulationen verantwortlich.

Lays Anwalt Michael Ramsey zeigte sich am Montag siegessicher: „Ich denke, der Kampf ist gewonnen.“ Lay habe sich im Zeugenstand gut verteidigt. Viele Prozessbeobachter vermuten jedoch, dass das mürrische Auftreten des Angeklagten seiner Verteidigung geschadet habe.

Den beiden drohen im Fall einer Verurteilung jahrzehntelange Haftstrafen. Skillings Lage ist dabei noch ein wenig prekärer: Auf ihn kommt ab dem 18. Mai zusätzlich ein Verfahren im Verfahren zu, bei dem es um Firmenkredite geht, die er aufgenommen haben soll, um Enron-Aktien zu kaufen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft.

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