Vergütung in Dax und MDax
Aktionäre rebellieren gegen Managergehälter

In den Hauptversammlungen deutscher Konzerne regt sich immer häufiger Widerstand gegen die Bezahlung der Top-Manager. Kein Wunder: Ein VW-Vorstand verdient trotz Abgaskrise das 114-Fache eines normalen Mitarbeiters.
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BerlinAktionäre machen zunehmend Opposition gegen die Vergütungspläne in deutschen Aktiengesellschaften. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in ihrer diesjährigen Bilanz der Hauptversammlungssaison.

„Das Thema Vorstandsvergütung hat nichts an Aktualität eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Auf den Hauptversammlungen einiger Gesellschaften waren die Diskussionen zu dem Thema in diesem Jahr einmal mehr äußerst kontrovers“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Aktionärsvereinigung am Donnerstag in Frankfurt. So habe beispielsweise Jenoptik den Punkt Vorstandsvergütungssystem im Vorfeld der Hauptversammlung sogar ganz von der Tagesordnung nehmen müssen. „Offenbar war der Gegenwind schon vor dem Aktionärstreffen so stark, dass man keine Abstimmung riskieren wollte.“

Aber auch größere Konzerne erlebten ihr Waterloo. Selbst der Primus unter den Finanzinstituten, die Deutsche Bank, musste nach heftiger Kritik zurückrudern. Aufsichtsratschef Paul Achleitner war trotzdem das Risiko eingegangen und erlebte laut Tüngler eine „krachende Niederlage“. Nur 48 Prozent des anwesenden Kapitals auf der Hauptversammlung stimmte dem Vergütungssystem zu.

Die Bundesregierung hatte vor drei Jahren das so genannte „say on pay“ gesetzlich vorgeschrieben. Danach können die Aufsichtsräte auf den Hauptversammlungen das Gehaltssystem zur Abstimmung stellen. Sie müssen es aber nicht. Abgestimmt wird auch nicht über die Höhe individueller Vergütungen einzelnen Vorstände. Trotzdem gilt es inzwischen als Bestandteil aktionärsfreundlicher Unternehmensführung.

DSW-Chef Tüngler sieht in der Praxis der großen deutschen Aktiengesellschaften aber einen beweis dafür, dass die „Kontrolle durch die Aktionäre hierzulande grundsätzlich funktioniert“. Laut DSW-Analyse waren die Aktionäre in 2016 deutlich kritischer, was die Vergütungen der Vorstände angeht. Die Zustimmungsquoten im Dax 30 seien „signifikant geringer“ ausgefallen als noch in den Vorjahren, hieß es. Im Schnitt habe die Zustimmung bei gerade einmal 76 Prozent gelegen. Ein Jahr zuvor hatten noch knapp 93 Prozent mit „Ja“ gestimmt, 2014 sogar annähernd 96 Prozent.

Ein Grund dafür ist auch die wachsende Präsenz ausländischer Investoren durch eigene Vertreter oder durch Dienstleister, die stellvertretend die Rechte auf den Hauptversammlungen wahrnehmen. Diese Investoren schauen traditionell schärfer auf die Vergütungspraxis für Vorstände. Zumal es – wie bei Volkswagen – häufig genug noch vorkommt, dass die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens in den Keller gehen, die Bezahlung der Manager aber steigt. Hier wirken oft Tantiemen aus Vorjahren nach, die mit Verzögerung zur Auszahlung kommen. Für den Aktionär sind solche Effekte aber oftmals schwer nachvollziehbar.

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Der Top-Verdiener kommt aus dem MDax

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  • Alle vereint, ach ist das schön!

    Unser Spiegel-Troll, der Marc und natürlich darf Ralph auch nicht fehlen!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Aktionäre, die stimmrechtslose Aktien halten, können rebellieren solange sie wollen. VW ist, wie die meisten Unternehmen, ein Privatunternehmen und die Entscheidungsgewalt haben halt diejenigen, die zumindest die Sperrminorität der Aktien inne haben. Ob dies gut oder schlecht ist sei dahin gestellt. Sicherlich gut in prosperierenden Zeiten, schlecht in dekadenten, wenn die Entscheidungsgewalt in die Hände inkompetenter Subjekte gerät. Aber die einzige Alternative dazu ist der Sozialismus und der hat in der Geschichte bewiesen dass er noch schlimmer ist, zumal er völlig inkompetente an die Entscheidungsgewalt spült.

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