Verkauf des Kesselwagen-Vermieters VTG war Anlass des Streits
Tui-Chef Frenzel verlässt Bahn-Aufsichtsrat im Zorn

Michael Frenzel wird nicht erneut für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn kandidieren. Er hatte sich nach dem Verkauf einer Tui-Tochter mit Bahn-Chef Mehdorn überworfen.

HB FRANKFURT. Ein Tui-Sprecher bestätigte am Donnerstag entsprechende Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus dem Umfeld des Bahn-Aufsichtsrates. Über den künftigen Aufsichtsrat wird Anfang Juli entschieden. Zu den Motiven wollte sich der Tui-Sprecher nicht äußern. Wie Reuters von einer mit dem Vorgang vertrauten Person erfuhr, sieht Frenzel das Vertrauensverhältnis zu Bahn-Chef Hartmut Mehdorn als zerstört an.

Grund sei der Verkauf der Tui-Tochter VTG an eine französische Investorengruppe. Die Bahn hatte ebenfalls für die VTG geboten, den größten privaten Vermieter von Kessel- und Eisenbahngüterwaggons in Europa. Wegen des niedrigeren Kaufangebotes war die Bahn aber nicht zum Zug gekommen. Daraufhin hatte die Bahn die TuiI-Entscheidung öffentlich kritisiert und kartellrechtliche Bedenken geäußert.

Der Aufsichtsratsvorsitz der zu 100 Prozent staatseigenen Deutschen Bahn soll am 5. Juli anlässlich der Hauptversammlung neu bestimmt werden. Frenzel war seit März 2001 Vorsitzender des Bahn-Aufsichtsrates.

Auch Frenzels Stellvertreter im Aufsichtsrat, der Chef der Eisenbahnergewerkschaft Norbert Hansen, war den Tui-Chef öffentlich angegangen. Frenzel habe der Bahn mit dem Verkauf von VTG nach Frankreich erheblichen Schaden zugefügt, sagte er im Reuters-Interview. Er forderte seinen Aufsichtsratsvorsitzenden auf, sich zu seiner Doppelrolle als Tui-Chef und Vorsitzender des Kontrollgremiums zu erklären.

Die „Wirtschaftswoche“ hatte in ihrer jüngsten Ausgabe am Donnerstag berichtet, Frenzel müsse als Sozialdemokrat im Falle eines Wahlsieges der Union bei einer Bundestagswahl im September möglicherweise mit einer Ablösung als Aufsichtsratschef rechnen. Der Tui-Chef hatte 2001 auf Bitten von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Aufsichtratsvorsitz der Bahn übernommen.

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