Verlässt ein Mitarbeiter die Firma, kann das gefährlich werden
Herrschaftswissen bremst die Innovationskraft

Wissen teilen ist Macht – so lautet das Managementprinzip von Vorstandschef Utz Claassen vom Energieversorger EnBW. Maschinen, Gebäude und Fahrzeuge mögen laut Bilanz noch so wertvoll sein: Der größte Schatz eines Unternehmens sind das Wissen und die Erfahrung der Mitarbeiter. Doch dieser Wert ist in vielen Unternehmen stark gefährdet, weil Manager sich zu wenig darum kümmern, dieses Know-how auch zu bewahren.

Gerade mittlere Unternehmen verlieren oft Kompetenz, wenn Mitarbeiter die Firma verlassen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe. Das Urteil der Wissenschaftler ist alarmierend: Eine große Mehrheit der untersuchten Unternehmen sorgen – bewusst oder unbewusst – nicht dafür, dass Wissen auf mehrere Mitarbeiter verteilt ist. Ein schwerer Fehler: „Wer alles auf eine Karte setzt, kommt in Schwierigkeiten, wenn die betreffende Person das Unternehmen verlässt“, warnt Jürgen Wengel, einer der Studienverantwortlichen.

Große Unternehmen schützen sich vergleichsweise oft dagegen, zu sehr vom Wissen einzelner Mitarbeiter abhängig zu sein. Von den Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben 15 Prozent ihrem Innovationsmanagement eine entsprechende Struktur gegeben. Kleinere Unternehmen stehen weitaus schlechter da. In der Gruppe der Firmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern schützen sich gerade einmal fünf Prozent gegen isoliertes Herrschaftswissen. In Unternehmen mit bis zu 100 Angestellten sind es gar nur 4,5 Prozent, berichten die Fraunhofer-Forscher in ihrer Studie. Schaden nimmt in solchen Fällen nicht nur die interne Wissensbasis, es leiden auch Kontakte zu Geschäftspartnern und Kunden.

Für die Studie haben die Fraunhofer-Forscher rund 1 500 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland befragt. Das Ergebnis: Geht es ums Entwickeln neuer Produkte, neuer Produktionstechniken oder neuer Arbeitsabläufe, verlassen sich 70 Prozent der Firmen auf das Wissen einzelner oder weniger Mitarbeiter. Damit sind sie einer außerordentlich großen Gefahr des Wissensverlusts ausgesetzt: Wechselt einer der wertvollen Mitarbeiter den Arbeitgeber oder geht er gar zur Konkurrenz, ist seine Kompetenz unwiederbringlich verloren.

Nur 20 Prozent der untersuchten Unternehmen haben diese Gefahr im Blick. Sie trennen ihre Innovationsstrukturen von den Mitarbeitern. Statt allein in den Köpfen einzelner Angestellter lagern Informationen zusätzlich auch in Handbüchern oder Wissensdatenbanken – oder sind zumindest auf viele Köpfe verteilt. „Großen Unternehmen mit vielen hoch qualifizierten Mitarbeitern gelingt es leichter, Kompetenzen auf mehrere Schultern zu übertragen“, berichtet Fraunhofer-Forscher Wengel.

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