Verlagserbe droht Schadensersatzprozess
Neuer Ärger für Alexander Falk

Noch vor mehr als einem Jahr galt der Mann mit dem krausen Haarschopf als Erfolgsmensch: Multimillionär, Shootingstar der Internetbranche, Besitzer einer Nobelvilla, schneller Autos und einer Segelyacht. Die Medien bezeichneten den 35-jährigen Geschäftsmann Alexander Falk als „Wirtschaftswunder-Kind“ („Welt am Sonntag“).

Doch seit mehr als zehn Monaten sitzt der Erbe des gleichnamigen Stadtplan-Imperiums im Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglasis 3. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und sieben weiteren Beschuldigten Betrug in einem besonders schweren Fall sowie Verstoß gegen das Börsengesetz vor und hat Anklage erhoben. Sein Anwalt Gerhard Strate bestreitet die Vorwürfe. „Herr Falk ist unschuldig. Er gehört auf freien Fuß.“

Die Vorwürfe der Staatsanwälte betreffen die Ision AG. Falk hatte den Internetprovider 1999 von Thyssen-Krupp für 38 Millionen Euro erworben. 2001 soll er den Internetboom genutzt haben, um durch Scheingeschäfte den Umsatz und damit den Aktienkurs der am Neuen Markt notierten Gesellschaft in die Höhe zu treiben, so lauten die Vorwürfe der Staatsanwälte. Dadurch sei es Falk möglich gewesen, seinen 75-prozentigen Ision-Anteil zu einem überhöhten Preis von 812 Millionen Euro an die britische Energis Plc 2001 zu verkaufen. Doch der Telekomkonzern musste ein Jahr später Insolvenz anmelden.

Nun fordert die Insolvenzverwalterin von Energis, Elisabeth Mills, von Falk und seinen beteiligten Geschäftspartnern Schadensersatz in Höhe von 763 Millionen Euro. Der Grund: Falk habe seine Anteile in betrügerischer Absicht veräußert. Bei dem zivilrechtlichen Verfahren wird Mills in Deutschland durch die Kanzlei Clifford Chance, Frankfurt, vertreten. Sie hat vor dem Landgericht Hamburg Prozesskostenhilfe beantragt. „Wir wollen, dass uns der Prozesskostenvorschuss von mehr als sechs Millionen Euro erlassen wird“, erklärt einer ihrer Anwälte.

Die Gegenseite sieht hingegen kaum Chancen, dass der Schadensersatzprozess überhaupt stattfindet. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Richter die Prozesskostenhilfe zulässt, deren Kosten die Stadt tragen muss“, betont ein Falk-Anwalt von der Kanzlei Freshfields. Doch die Anwälte von Energis haben Ende März einen Teilerfolg errungen. Das Landgericht Hamburg hatte ihrem Antrag stattgegeben, das Vermögen von Falk zu beschlagnahmen. Dazu gehört die Segelyacht „Flica II“, deren Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird.

Aber Falk, den Freunde „Sascha“ nennen, dürften andere Sorgen plagen. Im Strafprozess wegen der Betrugsvorwürfe drohen ihm bis zu zehn Jahren Haft, so die Hamburger Staatsanwaltschaft. Der Prozess, der am 2. Juni beginnen sollte, wurde auf den 10. November verschoben. Unklar ist, ob Falk zwischenzeitlich aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Eine Sprecherin des Hamburger Landgerichts ließ dies offen.

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