Verleger
Georg von Holtzbrinck: In aller Stille

Als Verleger wirkte Georg von Holtzbrinck stets im Hintergrund. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Das Porträt eines Verlegers, das auch ein Stück Zeitgeschichte Deutschands ist.

DÜSSELDORF. Es ist ein Termin mit weitreichenden Folgen für das Handelsblatt. Im August 1968 treffen sich zwei Herren in der Düsseldorfer Kreuzstraße 21: Friedrich Vogel empfängt den Verleger Georg von Holtzbrinck in seinem Büro im alten Verlagsgebäude des Handelsblatts.

Vogel, bislang Alleininhaber der Wirtschaftszeitung, ist 66 Jahre alt und kinderlos. Er sucht deshalb einen Nachfolger. Interessenten gibt es genug. Aber Vogel kann sich mit deren Absichten nicht anfreunden. Dann macht ihn ein Vertrauter, Erwin Barth von Wehrenalp, auf Georg von Holtzbrinck aufmerksam.

Von Holtzbrinck ist zwar auch schon fast 60 Jahre alt. Es ist jedoch absehbar, dass sein Sohn Dieter in seine Fußstapfen treten wird. Außerdem hat er die notwendigen Mittel, um das Handelsblatt dauerhaft weiterzuführen. Der Stuttgarter Verleger hat eine Gruppe aufgebaut, zu der neben dem „Deutschen Bücherbund“ unter anderem die Buchverlage S. Fischer, Droemer, Knaur und Rowohlt sowie die Wochenzeitung „Christ und Welt“ gehören.

Der Rheinländer Vogel und der gebürtige Westfale Holtzbrinck verstehen sich sofort. Sie stimmen weltanschaulich überein. Beide sind engagierte Unternehmer, zielstrebig, neigen zur Sparsamkeit, aber auch zu Fröhlichkeit und Lebenslust. Vogel ist allerdings kommunikationsfreudiger, während der weniger beredsame Georg von Holtzbrinck gegenüber Fremden eher zurückhaltend bleibt.

Die folgenden Verhandlungen, die im Auftrage des Stuttgarter Verlegers dessen Generalbevollmächtigter Werner Schoenicke führt, dauern nur zehn Tage. Dann ist alles unter Dach und Fach: Georg von Holtzbrinck, der heute 100 Jahre alt würde, übernimmt 47,5 Prozent der Anteile an der Handelsblatt-GmbH samt einem Vorkaufsrecht für die restlichen Anteile.

Zwar kümmert sich der Stuttgarter Verleger dann nicht direkt um das Handelsblatt. Aber 1969 schickt er seinen Sohn Dieter – gerade 28 Jahre alt – als Geschäftsführer nach Düsseldorf. Mit der Übernahme der Herausgeberschaft macht Georg von Holtzbrinck zudem öffentlich deutlich, dass er hinter der Zeitung steht und sich mit ihr identifiziert.

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