Verleger Heinz Bauer
Der Überflieger

Eigentlich mag Heinz Bauer keine öffentlichen Auftritte. Doch diesen genießt der Hamburger Verleger. Er hat die Presse in das Hotel Hyatt in der Innenstadt eingeladen. Da berichtet Bauer mit verborgenem Stolz von der Auslandsexpansion seines Verlags. Durch einen Milliardenkauf hat er sich in Europas Medienelite katapultiert.

HAMBURG. „Die schwierigen und eingeschränkten Möglichkeiten des Wachstums haben wir frühzeitig erkannt“, sagt der 68-Jährige mit Blick auf den deutschen Zeitschriftenmarkt trocken. Und Heinz Bauer hat reagiert. Vor wenigen Tagen sorgte er für einen Paukenschlag in der Branche. Sein von Konkurrenten immer wieder belächeltes Familienunternehmen erwirbt völlig überraschend vom britischen Medienkonzern Emap für 1,59 Milliarden Euro sowohl Zeitschriften als auch Hörfunksender in Großbritannien.

Damit katapultiert sich Bauer in Europas Verlegerelite. „Dadurch steigt unser Umsatz um rund 700 Millionen Euro jährlich“, rechnet der Medienkaufmann vor, dessen Augen hinter der dunkelbraunen Hornbrille für einen Moment aufblitzen.

Aber über seine weiteren Pläne in Großbritannien verrät der schweigsame Verleger nichts. „Wir haben eine erste, schwierige Hürde genommen“, sagt er lakonisch. Noch im Dezember werden die Aktionäre der börsennotierten Emap über das vereinbarte Geschäft abstimmen. „Wahrscheinlich ist es leichter, Emap zu erwerben, als der Post Konkurrenz zu machen“, sagt er mit einem Seitenhieb auf den Konkurrenten Axel Springer, der um das Überleben seines Briefzustelldienstes Pin kämpft.

Hobbyflieger Bauer ist mit seinem Zukauf in Großbritannien nun zum Überflieger geworden. Er macht den größten Zukauf eines deutschen Medienunternehmens in diesem für die Branche schwierigen Jahr.

Mit der Milliardeninvestition macht Heinz Bauer sein 132 Jahre altes Familienunternehmen, das mit über 6 400 Mitarbeitern weltweit 185 Zeitschriften herausgibt, noch unabhängiger vom deutschen Markt. Bereits jetzt stammen rund 45 Prozent des Verlagsumsatzes von knapp 1,79 Milliarden Euro (2006) aus dem Ausland. Er erwartet, dass der Auslandsumsatz in diesem Jahr von 785 Millionen auf 821 Millionen Euro steigt. Vor allem in den USA und Polen ist Bauer einer der führenden Verlage. In Großbritannien wird er künftig Frauenzeitschriften wie „Heat“ und „Grazia“ besitzen, aber auch die Männer-Zeitschrift „FHM“.

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