Vermögensverwalter
Madoff-Klagewelle rollt an

Im Betrugsfall Madoff kommt auf die Depotbanken und Vermögensverwalter eine Klagewelle zu: Deutsche Investoren bereiten juristische Schritte vor. Insebesondere haben sie die HSBC und den Bad Homburger Vermögensverwalter Sauerborn im Visier.

FRANKFURT. Im Betrugsfall Madoff kommt auf die Depotbanken undVermögensverwalter eine Klagewelle zu. Insbesondere HSBC und der Bad Homburger Vermögensverwalter Sauerborn trifft es. Nach Informationen des Handelsblatts haben sich in den vergangenen Tagen erste betuchte Anleger bei Anlegerschutzanwälten gemeldet und erwägen, unter anderem gegen die UBS-Tochter Sauerborn vorzugehen. Sauerborn hat nach eigenen Angaben über den 423 Mio. Euro schweren Fonds „Sauerborn I“ 34 Mio. Euro in drei Madoff-Fonds investiert. Der Verwalter wollte sich zu möglichen weiteren Madoff-Investments nicht äußern.

Laut Branchenkennern habe Sauerborn in „ordentlichem Umfang“ bei Madoff investiert. Es gehöre zur Investmentpolitik des auf große Vermögen spezialisierten Vermögensverwalters, konzentriert anzulegen, wenn er von einem Manager überzeugt sei. Der Mutterkonzern, die schweizerische Großbank UBS, gab auf Anfrage keinen Kommentar ab.

Nach Brancheninformationen haben Investmentfonds in Deutschland 220 Mio. Euro in zwei Madoff-Produkte angelegt. Außerdem würden indirekt über Zertifikate rund 110 Mio. Euro kommen.

Vermögensberater prüfen zudem Klagen gegen die Depotbank HSBC . Auch Branchenverbände empfehlen ihren Mitgliedern zu klagen. Der Grund: Die Depotbank soll Madoff-Investitionen nicht sorgfältig genug geprüft und damit gegen Investmentgesetze verstoßen haben. Danach müssen Banken, die Wertpapiere für Fonds aufbewahren, sorgfältig prüfen, ob Fondsmanager korrekt agieren. Dazu gehört laut EU-Fondsrichtlinie Ucits die Prüfung, ob mit dem Anlegergeld überhaupt Wertpapiere gekauft werden und das Kapital nicht abgezweigt wird.

Doch nach Auskunft der amerikanischen Brokeraufsicht Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) hat Madoffs Wertpapierhandelshaus seit seinem Bestehen 1960 kein einziges Wertpapier für Kunden gekauft. Auch Unterlagen über Kundenkonten hätte er der Behörde nie vorgelegt, so Behördensprecher Herb Perone auf Anfrage des Handelsblatts.

„Das hätte den Depotbanken auffallen müssen“ , sagt Anwalt Patrick Elixman, der auf Investmentrecht spezialisiert ist. Auch die Fondsbranche übt scharfe Kritik an den Depotbanken. Laut Gesetz hätte sich die Depotbank regelmäßig davon überzeugen müssen, dass Madoff das ihm anvertraute Fondsvermögen ordentlich verwaltete. „Einer Depotbank müsste auffallen, wenn ein Fonds kein ordentliches Geschäft betreibt“, so ein Vermögensverwalter.

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