Versace
Ein Neuer für Donatella

Eigentlich hat Gian Giacomo Ferraris mehr von einem Buchhalter als von einer Mode-Diva. Den zurückhaltenden Charakter, die leise Stimme: So einer kann doch unmöglich einen so schrillen Modekonzern wie Versace führen. Wird er aber - ab Mitte Juli.

MAILAND. Und Ferraris könnte sogar der Richtige für die berühmte Marke sein, hat er doch als einer der ganz wenigen Manager bereits erfolgreich für fast alle großen Modelabels gearbeitet. Sein Rezept ist seine Nüchternheit. Zuletzt war Ferraris Chef von Jil Sander.

Ein Mann vom Fach sei er, lobt Armando Branchini, aber noch wichtiger sei: "Ferraris kann mit Besitzerfamilien umgehen", sagt der Vorsitzende des Luxus-Verbandes "Altagamma" und Professor an der Bocconi-Universität über den neuen Versace-Chef. Gerade Letzteres ist in der Modewelt südlich der Alpen wichtig.

Denn die meisten italienischen Modehäuser sind noch in der Hand der Gründerfamilien, deren Mitglieder nicht immer leicht zu handhaben sind. Das gilt auch für Versace. Auch für den Abgang von Giancarlo Di Risio, Ferraris' Vorgänger, waren nicht zuletzt Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Donatella Versace, der Großaktionärin und Schwester des Firmengründers Gianni Versace, verantwortlich.

"In der Modebranche gibt es ein weit verbreitetes Virus - das Ego", sagt Branchini. "Aber Ferraris ist bisher erfreulicherweise nicht angesteckt worden." Der 52-Jährige ziehe es meist vor, im Hintergrund zu arbeiten.

Vormachen kann dem studierten Textil-Ingenieur in seiner Branche kaum einer etwas. Bei Zegna war Ferraris einst. Bei Gucci war er als Managing Director für die Prêt-à-porter-Abteilung zuständig - bis ihn Prada 2004 für die mittlerweile übernommene Tochter Jil Sander an Bord holte. Unter Ferraris' Führung kehrte die deutsche Marke 2007 operativ in die Gewinnzone zurück.

Mit seinem Wechsel an die Spitze von Versace muss Ferraris sein Können in schwierigen Zeiten unter Beweis stellen. Schließlich bleibt auch die Luxusbranche nicht von der Krise verschont. Auch die Reichen halten sich beim Einkaufen zurück. Der Verband Altagamma rechnet damit, dass der weltweite Luxus-Bekleidungsmarkt in diesem Jahr um fast neun Prozent einbricht

Ferraris übernimmt zwar von Di Risio einen aufgeräumten Konzern - er hat Versace wieder in die Gewinnzone zurückgebracht. 2008 stieg der Umsatz trotz Krise um mehr als acht Prozent auf 336 Millionen Euro.

Aber Ferraris übernimmt auch den Topjob in einem schwierigen Familienunternehmen. Donatella Versace, die Schwester des 1997 in Florida ermordeten Gründers Gianni Versace, erntet als Kreativchefin nach einem holprigen Start mittlerweile branchenweit Anerkennung.

Aber eine einfache Persönlichkeit ist die Dame, die bereits einige Zeit in einer Drogenentzugsklinik verbracht hat, nicht. Sie hält zwar nur 20 Prozent der Aktien, gilt aber als die entscheidende Kraft im Unternehmen - ohne sie geht nichts. Oder besser: Ohne sie darf nichts passieren.

Die anderen beiden Großaktionäre spielen im operativen Geschäft keine Rolle. Ihre 22-jährige Tochter ist mit 50 Prozent Haupteigentümerin, lebt allerdings in den USA. Der Bruder Santo Versace ist mit seinen 30 Prozent Vorsitzender des Verwaltungsrats, hat sich aber der Politik verschrieben und sitzt für "Forza Italia", die Partei von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, im Parlament.

Ferraris' Aufgabe ist also, Donatella Versaces Wünsche mit den nüchternen Notwendigkeiten einer Modefirma zu versöhnen.

Mamma mia!

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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