Verschärfter Sparplan
Letzte Chance für „Kamikaze Pat“

Drei Gewinnwarnungen seit Anfang des Jahres, die Aktie weist mit einem Minus von 40 Prozent mit Abstand die mieseste Jahresperformance in Frankreichs Leitindex Cac 40 auf – kein Wunder, dass seit Wochen die Gerüchte über den baldigen Rausschmiss von Patricia Russo, Chefin des französisch-amerikanischen Telekomausrüsters Alcatel-Lucent, die Runde machen.

PARIS. Am Mittwoch will sich „Kamikaze Pat“, wie sie in der Branche auch genannt wird, mit einer Verschärfung des Sparplans etwas Luft verschaffen. Russo hatte bei der dritten Gewinnwarnung Ende September neue Einschnitte bereits angekündigt.

Die amerikanische Top-Managerin mit der Frisur à la „Dallas“ hat mit der Führung des fusionierten Netzausrüsters mal wieder ein echtes Himmelfahrtskommando übernommen. Sie muss zwei Traditionsunternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks zusammenführen, die Investitionszurückhaltung der Telekomkunden verdauen und gleichzeitig Preisdruck von Newcomern wie der chinesischen Huawei standhalten. Da mit Russo zum ersten Mal eine Frau – dazu noch eine Amerikanerin – einen Konzern aus dem elitären Klub des Cac 40 führt, ist ihr maximale Aufmerksamkeit garantiert.

Zweifel? Ein Wort, das im Vokabular der Sportliebhaberin nicht vorzukommen scheint: „Die Frage meines Ausscheidens stellt sich nicht“, diktiert sie trotzig dem „Figaro“ nach der dritten Gewinnwarnung in die Blöcke. Russo verlangt „zwei Jahre, um den Erfolg der Fusion wirklich bewerten zu können“. Nach rund zehn Monaten an der Spitze scheint ihr Kredit aber nun weitgehend aufgebraucht zu sein.

Vom neuen Sparplan, den Russo heute vorstellen will, erwarten Analysten keine Wunder. Da der Konzern vor allem Absatzprobleme in den USA hat, dürften vor allem dort weitere Stellen wegfallen. Bisher will Alcatel-Lucent weltweit 12 500 Jobs streichen, die Experten des Brokers von Exane BNP Paribas rechnen damit, dass 2 000 bis 5 000 Jobkürzungen hinzu kommen. Das soll die Kosten um weitere 300 bis 700 Mill. Euro drücken. Ferner dürften weitere Forschungstätigkeiten in Niedriglohnländer verlagert werden.

Mit einer solchen Rosskur hatte die als sehr entschlossen geltende Russo bereits den US-Ausrüster Lucent vor der Pleite bewahrt und dabei über 100 000 Stellen gestrichen.

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