Versicherungen zahlen nicht jeden Fall
Wenn Wasserschäden für Streit sorgen

Geflutete Keller, schlammbedeckte Gärten, schwimmende Autos: Regengüsse produzieren immer öfter hohe Schäden. Will die Versicherung nicht zahlen, schwappt der Disput vor den Richtertisch.

Recht einfach

Grundwasser

Der Boden im Keller eines Berliners schlug plötzlich Wellen, weil der nach starken Regenfällen steigende Grundwasserpegel gegen das Fundament drückte. Doch die Elementarschädenversicherung weigerte sich zu zahlen: Versichert seien nur Schäden, die durch unmittelbar ins Haus eindringenden Regen verursacht würden. Die Richter schlossen sich dieser Meinung an. Wenn Regen nur indirekt über das langsam steigende Grundwasser Schaden anrichte, sei "die Kausalkette unterbrochen", die Assekuranz müsse nicht zahlen (Landgericht Berlin, 7 O 137/03).

Hanglage

Mehr Glück im Unglück hatte ein Hausbesitzer aus Schleswig-Holstein. Nachdem der unterhalb seines Grundstücks liegende See über die Ufer getreten und Wasser in sein Haus gelaufen war, musste die Versicherung zahlen. Das Argument der Assekuranz, seitlich durchs Gemäuer eindringendes Wasser sei kein "Oberflächenwasser" im Sinne des Versicherungsvertrags, ließen die Richter nicht gelten. Ob Seewasser direkt durchs Fenster oder indirekt durch Erde und Mauerwerk eindringe, sei egal. In jedem Fall handele es sich um "Oberflächenwasser" - womit der Schaden versichert sei (Bundesgerichtshof, IV ZR 252/03).

Spritztour

Ein Hesse donnerte mit seinem Sportwagen nach einem Regenguss volle Pulle durch eine große Wasserlache. Mitten in der Pfütze machte der Flitzer schlapp. Den Schaden - Wasser im Zylinder - und dessen Folgekosten von 8000 Euro musste die Versicherung nicht zahlen (Oberlandesgericht Frankfurt, 7 U 53/99). Pech hatte auch ein Thüringer, der mit 60 Stundenkilometern in eine Kurve fuhr und plötzlich auf einem überfluteten Straßenabschnitt stecken blieb. Wer nach tagelang anhaltenden, starken Niederschlägen derart schnell in eine unübersichtliche Kurve fahre, sei selbst schuld (Landgericht Mühlhausen, 4 O 750/02).

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 40 vom 29.09.2005 Seite 140

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