Versicherungsbranche
Kämpfer gegen Korruption

Oliver Pragal hat als erster externer Ombudsmann der Versicherer ein offenes Ohr für Lug und Trug. Kein leichter Job, aber den einfachen Weg ist der 31-jährige Strafverteidiger noch nie gegangen.

FRANKFURT. Der Tag war lang unter der glühenden Sonne Botswanas, doch Oliver Pragal gab nicht nach. Bares auf die Hand wollte der Polizist für zu schnelles Fahren. Doch der Hamburger Rechtsanwalt blieb hart, forderte einen Strafzettel und gab keine Kohle raus für Korruption. Natürlich war das mühsam, aber faule Kompromisse kamen nicht in Frage, Schmiergeld wollte er nicht zahlen. Nicht einen einzigen Dollar.

Pragal ist ein Überzeugungstäter im Kampf gegen die Korruption und seit gestern der erste externe Ombudsmann der Versicherungsbranche. Montag bis Freitag von neun bis sechs hat er bei der AMB Generali-Gruppe ein offenes Ohr bei Verdacht auf Lug und Trug und Korruption. Das Unternehmen ist eines der ersten in der Branche, das Schmieren und Salben in den eigenen Reihen auf diese Weise den Kampf ansagt. Rund 20 Töchter dirigiert die deutsche Generali-Mutter. Pragal ist zusammen mit seinem Kanzleikollegen Björn Rohde-Liebenau Mittelsmann zwischen Mitarbeitern, denen Verdächtiges auffällt, und dem Management mit der Null-Toleranz für Nepp auf Firmenkosten.

Wenn beispielsweise Bauunternehmer, Handwerker oder Dienstleister den Einkaufschef mit einem Augenzwinkern fragen, ob bei dem Angebot "noch etwas fehlt". Wenn Einkäufer Lieferanten bedeutungsvoll vom teuren Privatstudium der Kinder erzählen oder Prämieneinnahmen nach Höhe der "privaten Zusatzprovision" angelegt werden. Pragal prüft die Hinweise, gibt sie anonym weiter an den Compliance-Chef und hält den Kontakt zum Hinweisgeber.

Kein leichter Job, aber den einfachen Weg ist der 31-Jährige noch nie gegangen. Weder in Afrika, noch in Deutschland, als er über Korruption zwischen Firmen promovierte und sich mit der mächtigen Pharmabranche anlegte. Ein Aufsatz über Ärzte, die Medikamente danach verschrieben, welche Firma die teuersten Alibi-Kongresse in Luxushotels veranstaltete oder Studien ohne wissenschaftlichen Tiefgang sponsorte, sorgte vor drei Jahren für Aufsehen. Schließlich geriet damals der Generika-Hersteller Ratiopharm wegen Schmiergeldzahlungen an Ärzte und großzügiger Rabatte an Apotheker in die Schlagzeilen.

Ein Musketier der Gerechtigkeit will Pragal dennoch nicht sein. Aber es fuchst ihn, wenn korrupte Einkäufer oder Lieferanten ehrlich arbeitende Konkurrenten aus dem Wettbewerb drängeln oder Schulmauern Kinder unter sich begraben, weil der Bauunternehmer auf Sand statt Zement baute - irgendwo muss man schließlich sparen, um das Schmiergeld wieder reinzuholen.

Korruption wird er auch als Ombudsmann nicht verhindern können. Geschäfte machen ist immer ein bisschen, wie sich von einer Klippe zu stürzen, findet der passionierte Gleitschirmflieger: Minimieren lässt sich nur das Risiko. Und trotz allem hat er als Strafverteidiger Verständnis für gestrauchelte Manager. Nur für Lücken im System gilt: keine Kompromisse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%