Versicherungsgruppe
Martin Senn wird neuer Zurich-Financial-Chef

Die Versicherungsgruppe Zurich Financial Services (ZFS) hat den 52-jährigen Schweizer Martin Senn zum Nachfolger von Konzernchef James Schiro bestimmt. Er hinterlässt seinem Nachfolger ein solides Haus. Der Halbjahresgewinn des Schweizer Versicherers ist allerdings um die Hälfte eingebrochen. Zufrieden ist man allerdings mit den Geschäften in Spanien und Lateinamerika.

ZÜRICH. Senn soll nach dem Willen des Verwaltungsrates sein neues Amt am 1. Januar nächsten Jahres antreten. Der Amerikaner Schiro geht dann wie geplant in den Ruhestand. Er hinterlässt seinem Nachfolger ein solides Haus. Zwar brach der Gewinn im ersten Halbjahr um die Hälfte auf 1,3 Mrd. Dollar ein. Dennoch ist Zurich besser durch die Finanzkrise gekommen als viele Konkurrenten und fühlt sich stark genug für Akquisitionen. "Jetzt ist die Zeit für gute Gelegenheiten", sagte Schiro in Zürich, ohne allerdings Übernahmeziele zu nennen.

Mit Senn wählt Zurich einen Insider an die Spitze. Der jetzige Chief Investment Officer stieß 2006 zur Versicherungsgruppe und arbeitete zuvor fast 20 Jahre für den damaligen Schweizer Bankverein. Danach folgten Stationen bei der Credit Suisse und der Swiss Life. Der gelernte Banker gilt als umsichtiger Investmentspezialist und führungsstarker Manager. "Senn hat gezeigt, dass er den Mitarbeitern zuhören und sie erfolgreich leiten kann", sagte Verwaltungsratschef Manfred Gentz.

Der designierte Konzernchef ist auch für die konservative Anlagepolitik verantwortlich, durch die Zurich in den vergangenen Jahren riskante Investments weitgehend vermieden hat. Mit einem Plus von 892 Mio. Dollar meldete das Unternehmen den 26. Quartalsgewinn in Folge. Ganz ungeschoren von den Turbulenzen auf den Finanzmärkten blieb die ZFS allerdings nicht. So beliefen sich die Nettoverluste aus Kapitalanlagen und Wertminderungen auf insgesamt 1,3 Mrd. Dollar. Das Gesamtergebnis aus Kapitalanlagen sank im ersten Halbjahr um fast 40 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar, was einer Rendite von 1,3 Prozent entspricht. Mit einer Gruppensolvabilität von 180 Prozent ist die Eigenmittelausstattung solide.

Gemischt ist das Bild im operativen Versicherungsgeschäft. Während die Prämieneinnahmen in der Schaden- und Sachversicherung um elf Prozent zurückgingen, stiegen sie im Bereich Leben um den gleichen Prozentsatz. Besonders zufrieden ist man mit dem Geschäft in Spanien und Lateinamerika. Die Management-Gebühren von dem US-Versicherer Farmers erhöhten sich um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Schadenkostenquote in der Sachversicherung blieb mit 96,2 Prozent unverändert. "Das ist ein solides Ergebnis. ZFS profitiert nach wie vor von ihrer Ertragskraft im Nicht-Leben-Geschäft", sagte Marc Effgen, Analyst bei Brokerhaus Helvea. Die Schaden- und Sachversicherungen steuern mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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