Versicherungskonzerne
Peter Hagen – der Kronprinz aus Wien

Der Allianz-Konkurrent Vienna Insurance Group steht vor einem Generationswechsel – und Peter Hagen wird ihn umsetzen müssen. Der 49-Jährige hat die besten Aussichten, der künftige Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns zu werden. Wenn er auf den Chefposten wechselt, wird auf ihn eine völlig neue Aufgabe zukommen.

WIEN. Peter Hagen mag selbst nicht darauf angesprochen werden. Direkte Fragen zu seiner beruflichen Zukunft lässt er unbeantwortet, bei diesem heiklen Thema wendet er sich lieber ab. Besser nichts in der Öffentlichkeit sagen, um das ersehnte Karriereziel auf gar keinen Fall zu verpassen. Dabei ist es ziemlich offensichtlich, was auf den 49-jährigen Österreicher zukommen wird.

Seit wenigen Tagen ist er „Generaldirektor-Stellvertreter“ beim Allianz-Konkurrenten Vienna Insurance Group (VIG), eine der großen Versicherungsgruppen in Zentral- und Osteuropa. Was für deutsche Ohren ein wenig befremdlich klingt, ist für jeden Österreicher selbstverständlich sofort klar: Peter Hagen ist der Kronprinz bei der VIG, die vor ihrer Expansion nach Osteuropa in Österreich einfach nur Wiener Städtische hieß.

Der Versicherungskonzern steht vor einem Generationswechsel und Peter Hagen wird ihn umsetzen müssen. Noch steht bei der Wiener Städtischen Günter Geyer an der Spitze, eine echte Ausnahmeerscheinung in Österreichs Managerlandschaft. Mit 67 leitet er noch immer einen Konzern mit mehr als 20 000 Mitarbeitern, seit 1974 ist er bei den Wienern dabei.

Geyer gilt als unumstrittener Firmenpatriarch. Ihm ist bewusst, dass er sich langsam um seine Nachfolge kümmern muss. Und mit der Berufung von Peter Hagen ist eigentlich alles klar. Geyer hat seinem Generaldirektor-Stellvertreter den Titel „verliehen“ – bei der Wiener Städtischen geht es eben korrekt zu. Rang und Auszeichnung zählen im Vergleich zu Deutschland immer noch sehr viel, eine feste hierarchische Ordnung ist unverzichtbar.

Als Ruheständler in spe agiert Geyer schon mit mehr Gelassenheit als sein potenzieller Nachfolger. In einem Interview hat der Noch-Chef recht deutlich gesagt, wohin die Reise bei der Wiener Versicherung gehen soll: „Die Ernennung von Peter Hagen ist sicher ein Signal, aber letztlich entscheidet der Aufsichtsrat.“ Günter Geyer wahrt gegenüber seinen Kontrolleuren selbstverständlich Höflichkeit, so gehört sich das für einen Österreicher. Aber auch aus dem Aufsichtsrat kommen Stimmen, die von einer eindeutigen Vorentscheidung zugunsten Hagens sprechen. Offen ist lediglich, wann der Senior der Wiener Städtischen tatsächlich seinen Stuhl räumen wird. Insider glauben, dass das noch ein bis zwei Jahre dauern könnte.

Peter Hagen genießt jedenfalls das absolute Vertrauen seines Chefs. 1989 hat der studierte Jurist bei der Wiener Versicherungsgruppe angefangen und damit auch die Ostexpansion nach dem Fall des Eisernen Vorhangs komplett mit erlebt. Hagen hat wenige Fehler und meistens alles richtig gemacht – und deshalb kletterte er die Karriereleiter kontinuierlich nach oben.

1998, nach neun Jahren im Konzern, schafft Hagen erstmals den Sprung in den Vorstand. Es sind zwar nur die Tochtergesellschaften in Tschechien und der Slowakei, aber ein Anfang ist gemacht. 2004 ist es dann auch in Wien so weit, Hagen rückt in der Konzernzentrale in den Vorstand ein.

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