Vertragsverlängerung
Schicksalstag für RWE-Chef Roels

Ursprünglich sollte es beim Treffen des RWE-Aufsichtsrats vorrangig um den Jahresabschluss 2006 gehen. Inzwischen steht aber die Personalie Roels ganz oben auf der Tagesordnung. Während Analysten fest mit einer Verlängerung des Vertrages rechnen, stellen sich die Arbeitnehmervertreter quer. Selbst der zuvor als sicher geltende Kompromiss steht auf der Kippe.

DÜSSELDORF. Am Finanzmarkt stößt das Gerangel um die Zukunft von RWE-Chef Harry Roels auf Unverständnis: „Es wird fest mit einer Verlängerung des Vertrages gerechnet“, sagt Analyst Matthias Heck, Analyst von Sal. Oppenheim, „sollte das nicht passieren, würde das den Aktienkurs spürbar belasten.“ Auch Theo Kitz von Merck Finck zeigte sich über die anhaltende Kritik an der Arbeit des RWE-Chefs überrascht: „Roels Strategie war und ist sehr aktionärsfreundlich, so aktionärsfreundlich, wie in kaum einem anderen Unternehmen.“

Am heutigen Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat des Energiekonzerns. Ursprünglich sollte es, zwei Tage vor der Bilanzpressekonferenz, vorrangig um den Jahresabschluss 2006 gehen. Inzwischen steht die Personalie Roels allerdings ganz oben auf der Tagesordnung. Der Vertrag des Niederländers läuft zwar erst Anfang 2008 aus. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, WestLB-Chef Thomas Fischer, will aber rasch Klarheit in der Führungsfrage schaffen.

Im RWE-Aufsichtsrat, in dem sich mit der Kapitalseite, den Arbeitnehmervertretern und den kommunalen Aktionären gleich drei Interessengruppen gegenüberstehen, hatte Roels zwar seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren immer wieder mit Widerständen zu kämpfen. Noch im Herbst galt eine Vertragsverlängerung aber als ausgemacht. Als Kompromiss, der für alle Gruppen akzeptabel sein sollte, war eine verkürzte Amtszeit im Gespräch. Nach Informationen des Handelsblattes hat zuletzt aber vor allem die Arbeitnehmerseite, speziell Vertreter der Gewerkschaft Verdi, dies grundsätzlich in Frage gestellt und Kritik an Roels Strategie geübt. Für Unruhe sorgten angebliche Umbaupläne bei der Vertriebstochter sowie anhaltende Spekulationen, RWE könnte zum Ziel einer feindlichen Übernahme werden.

Roels betreibt eine stark kapitalmarktorientierte Politik. Er hat durch den Verkauf der Sparten Entsorgung und Wasser Schulden abgebaut. Die Gewinne sprudeln. Und der Aktienkurs hat sich in seiner Amtszeit mehr als vervierfacht. Auch die Dividende ist kräftig gestiegen. Am Mittwoch Nachmittag nach der Aufsichtsratssitzung wird RWE vermutlich erneut eine kräftige Aufstockung der Ausschüttung verkünden.

„Wenn Roels für seine kapitalmarktorientierte Politik abgestraft werden sollte, würde das Fragen nach der künftigen Strategie und dem Einfluss der Interessengruppen aufwerfen“, sagt Analyst Heck. Während konzerninterne Kritiker dem ehemaligen Shell-Manager vorwerfen, er agiere zu vorsichtig und sei bei Übernahmen glücklos, kommt es nach Hecks Worten am Finanzmarkt gerade gut an, dass Roels keine hohen Risiken durch überteuerte Übernahmen eingeht.

Für Aufsichtsratschef Fischer dürfte es schwer werden, im Aufsichtsrat einen Kompromiss zu finden. Zumal er eine nachhaltige Lösung in der Führungsfrage anstrebt. Laut Konzernkreisen könnte ein solcher Kompromiss nach wie vor in einer verkürzten Laufzeit eines neuen Vertrages bestehen – wenn gleichzeitig schon die Weichen für Roels Nachfolge gestellt würden.

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