Vertriebschef Apotheker wird zweiter Mann hinter Kagermann
SAP-Vorstand Agassi nimmt seinen Hut

Nur wenige Wochen nach der Vertragsverlängerung von SAP-Chef Henning Kagermann baut der Softwarekonzern SAP seinen Vorstand massiv um. Shai Agassi, Technikvorstand des weltgrößten Anbieters von Firmensoftware, wird das Unternehmen völlig überraschend verlassen.

jkn/HB FRANKFURT. Er wolle sich stärker als bislang seinen Engagements in der Politik und für die Umwelt widmen, hieß es im Umfeld der SAP. Gleichzeitig soll Leo Apotheker, bislang Vertriebsvorstand, zum stellvertretenden Vorstandssprecher berufen werden.

Mit Agassi verlässt ein Manager die SAP, der seit längerem als potenzieller Nachfolger für Kagermann galt. Agassi war von SAP-Mitgründer Hasso Plattner in den Vorstand des Unternehmens geholt worden. Er war zur SAP gekommen, als der Walldorfer Konzern 2001 für 400 Mill. Dollar die Firma Toptier übernommen hatte.

Allerdings ist es Agassi niemals gelungen, die SAPler in der deutschen Zentrale auf seine Seite zu ziehen. Sie zeigten sich skeptisch gegenüber dem Jung-Manager, kritisierten seine seltenen Besuche in Walldorf. Wenig Beifall fand in der Entwicklerhochburg Walldorf auch, dass Agassi als quasi Forschungsschef vor allem US-Führungskräfte um sich scharte.

Einen Zusammenhang mit der in der vergangenen Woche eingereichten Klage des Rivalen Oracle gibt es nicht, wird in Walldorf berichtet. An dem personellen Revirement sei schon wesentlich länger gearbeitet worden. Dass Agassi das Unternehmen verlasse, sei „deutlich negativ“ für SAP, sagte John Segrich, Analyst von J.P. Morgan.

Agassi ist die treibende Kraft hinter dem Umbau der SAP-Produkte hin zu einem flexiblen, modularen System. Diese neue Technologie gilt zwar als zukunftsweisend, und alle Rivalen von SAP setzen auf das gleiche Pferd. Doch nach sind die Unternehmen sehr zögerlich, was die Akzeptanz der so genannten SOA-Software betrifft.

Mit der Berufung von Apotheker zum zweiten Mann hinter Kagermann stellt SAP zugleich frühzeitig die Weichen für den Wechsel an der SAP-Spitze. Apotheker gilt als erfahrener Vertriebsprofi, der unter anderem das über Jahre schleppende US-Geschäft auf Vordermann gebracht hat.

Aggasis Vertrag läuft regulär bis zum Jahr 2010. Der 37-Jährige soll sich auf Führungstreffen in jüngster Zeit unzufrieden darüber geäußert haben, dass der Konzern sich vorrangig auf kurzfristige Ziele konzentriere anstatt auf langfristigen Fortschritt, berichtete das "Wall Street Journal".

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