„Verwässerung des Bankgeheimnisses“
David verliert gegen Goliath

Als einzige Bank in der gesamten bundesdeutschen Finanzlandschaft hat die Volksbank Raesfeld gegen eine „weitere Verwässerung des Bankgeheimnisses“ Verfassungsbeschwerde eingelegt. Für ihren Vorstand Hermann Burbaum endet mit dem Gerichtsentscheid ein riesiges öffentliches Spektakel.

hus DÜSSELDORF. Über Münster und Waltrop ist Hermann Burbaum aus der 7 500-Seelen-Gemeinde Raesfeld in seinem Werdegang kaum hinausgekommen. Aber er zitiert tadellos den Verfasser der amerikanischen Freiheitsrechte, Benjamin Franklin: „Wer die Freiheit aufgibt, um die Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren.“

Seit drei Jahren genießt der groß gewachsene Vorstand der ortsansässigen Volksbank ungeahnte Prominenz. Als einzige Bank in der gesamten bundesdeutschen Finanzlandschaft hat sein Institut gegen eine „weitere Verwässerung des Bankgeheimnisses“, die seit April 2005 in Kraft ist, Verfassungsbeschwerde eingelegt. „David gegen Goliath“, titelte die Welt. Dutzende von Briefen und Emails hat er bekommen. Zuspruch von Kunden genau so wie von Fremden, die von seiner Initiative begeistert waren. Von Termin zu Termin ist er gereist, seit er die Klage eingereicht hat; auf seiner Kontaktliste hat er 120 Journalisten: ZDF, ARD, die großen Tageszeitungen genauso wie die Lokalzeitung. Drei Jahre lang gaben sich Kameraleute und Rundfunkreporter in seinem Sekretariat die Türklinke in die Hand. Wenn es wichtig war, rief er jeden einzeln und persönlich an. Höhepunkt seiner Karriere als tapferer Fechter für die Freiheitsrechte: Das Economic Forum Deutschland (eine Initiative mittelständischer Firmen und von Privatpersonen) verleiht ihm 2005 den National Leadership Award.

Jetzt ist das Spektakel vorbei: Eine letzte Pressekonferenz, am Donnerstag in der WGZ-Bank mit einem Häuflein Journalisten. „Für uns ist mit dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts das Verfahren beendet“, sagt er. Enttäuscht sei er nicht über den Ausgang, behauptet er. Aber ein bisschen bitter klingt das schon: „Das Urteil zeigt, wo Deutschland steht.“ Das es mit dem Bankgeheimnis endlich vorwärts und nicht immer rückwärts geht, habe er sich gewünscht. Das ist ihm leider nicht gelungen, gesteht er ein. Doch er sieht Teilerfolge. Etwa, dass sich jetzt die Ämter genau an die Vorschriften der Abgabenverordnung halten müssten und sie nicht so einfach wieder ändern könnten.

Sein stabiles Selbstverständnis – er sei in erster Linie Mensch, und dann erst Banker , sagt er – dürfte ohnehin nicht leiden. Der 59-jährige ist seit über 20 Jahren Vorstand der Volksbank Raesfeld. Die 2 500 Genossen kennt er persönlich. Die Liste der Vereinsmitgliedschaften ist lang: Tennisverein, Schützenverein, Sportverein. Und eine Förderpreis an die Grundschule habe er zuletzt vergeben.

In Raesfeld braucht man keine Kontenabfragen, da kennt man sich ohnehin. Und Anstand ist dort eine Grundtugend. Seit sieben Jahren ist die Gemeinde schuldenfrei, sagt er. „Bei uns herrscht ein gewisses Wertesystem“. Das glaubt man ihm irgendwie.

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