Verwarnung mit Strafvorbehalt
Dreiländerfonds: Initiator wegen Untreue verurteilt

Wegen Untreue ist der "Dreiländerfonds 94/17"-Initiator Walter Fink am Freitag verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart sprach eine Verwarnung mit Strafvorbehalt von 255 000 Euro aus.

HB STUTTGART. Von den massiven Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gegen den 51-jährigen Fondsinitiator Walter Fink sei am Ende nur Untreue übrig geblieben, sagte Richterin Christine Rebsam-Bender am Freitag in Stuttgart. "Kein Fonds ist wie dieser unter die Lupe genommen worden. Der Fonds ist regelrecht auf den Kopf gestellt worden", sagte sie. Fink habe sich Provisionen für Bankkredite an den Immobilienfonds vorzeitig auszahlen lassen, wodurch dem 1,2 Mrd. ? schweren Fonds rund 11 000 ? an Zinsen entgangen seien. Der Hauptvorwurf des Kapitalanlagebetrugs war gar nicht erst zur Hauptverhandlung zugelassen worden.

Neben der Verwarnung verurteilte das Gericht Fink zu einer Geldzahlung von 250 000 ? an gemeinnützige Einrichtungen. Sein Geschäftspartner, der Münchener Steuerberater Manfred Falk, muss 85 000 ? zahlen. Eine Geldstrafe in gleicher Höhe gegen beide wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Staatsanwalt Michael Erath hatte gegen Fink 300 000 ? und gegen Falk 90 000 ? Geldstrafe gefordert, die Verteidiger verlangten Freispruch.

Der Dreiländerfonds ist einer der größten geschlossenen Immobilienfonds in Deutschland. Rund 20 000 Anleger hatten Fondsanteile gezeichnet. Die zur angestrebten Investitionssumme fehlenden 475 000 ? wollte Fink durch Kredite aufbringen. Für die Beschaffung der Darlehen hatte er Provisionen kassiert, ehe die Kredite überhaupt ausgereicht worden waren. Den Schaden habe er durch den Verzicht auf andere Provisionen später wieder gut gemacht, sagte die Richterin. Als Initiator des Fonds bekam Fink eine Gebühr von rund neun Mill. ?.

Der Fonds hatte vor allem in das Stuttgarter SI-Zentrum mit seinen Musicaltheatern investiert, das jedoch nach der Insolvenz des Hauptmieters Stella Ende der neunziger Jahre ins Schlingern geriet und damit auch den Fonds in Schwierigkeiten brachte. In dem Fonds befinden sich daneben amerikanische Immobilien sowie ein Wertpapierdepot in der Schweiz. Mehrere Anlageberater, die den Fonds vertrieben hatten, waren zu Schadenersatz verurteilt worden, weil sie nicht ausreichend über die Risiken der Anlage aufgeklärt hatten.

Im Zuge der Ermittlungen waren die Häuser von Fink und Falk sowie Banken mehrfach durchsucht worden. Finks Verteidiger hatte der Justiz eine "Hexenjagd" auf seinen Mandanten vorgeworfen. 17 Ermittlungsverfahren seien eingestellt worden.

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