Veye Tatah
Afrika ist kein Land – Schwarz ist eine Farbe

Veye Tatah zeichnet den Deutschen ein buntes Bild von ihrer Heimat. Die Mittel ihrer Aufklärungsarbeit sind ein Verein, ein Magazin, afrikanisches Essen, ein Bildungsprojekt - sowie ihre Persönlichkeit und Professionalität.

Sie versteht sich als geistige Aufklärerin im 21. Jahrhundert, scheut aber nicht davor zurück, sich die Hände schmutzig zu machen und auf die Straße zu gehen. Veye Tatah - T-Shirt, verwaschene Jeans, rote Baseballkappe - poliert auf dem Dortmunder Münsterstraßenfest ein gutes Dutzend Wärmebehälter aus Edelstahl, die sich auf einer langen, schmalen Biertisch-Theke aneinanderreihen. Ihre Hände sind rau und rissig. Sie sehen nach Arbeit aus, genauso wie ihr leicht gewölbter Bizeps. Veye Tatah ist in Eile, kommt ins Schwitzen.

Um die 38-Jährige herum wuseln andere afrikanische Frauen. Sie haben die landestypischen Gerichte wie Kochbanane mit Gemüse und Hühnchen, sogenanntes "DG" aus Kamerun, gekocht, die hier verkauft werden sollen. Außer ihrer dunklen Hautfarbe haben sie aber nicht viel mit Tatah gemein. Sie alle tragen farbenfrohe Gewänder mit Turbanen und laufen plaudernd durcheinander. Unter dem blauen Pavillon herrscht Chaos. Immer wieder unterbricht Tatah das Wienern, gibt Anweisungen, gestikuliert wild: "Beeilt euch, wenn die Leute an euren Stand kommen und Essen wollen, dann muss alles fertig sein!"

Veye Tatah, die seit 1991 in Deutschland lebt und seit 2002 deutsche Staatsbürgerin ist, ist eine Ausnahmeerscheinung: Von der typischen Klischee-Afrikanerin, üppige Rundungen, buntes Tuch und mütterlicher Gleichmut, ist die Kamerunerin weit entfernt - häufig wird sie deshalb auch für eine Amerikanerin gehalten. Sie ist Akademikerin, selbständige Beraterin, leitet ein Catering-Unternehmen und ist Mutter von zwei Söhnen.

Doch das ist ihr nicht genug. Tatah will etwas bewegen: die bunten Seiten des schwarzen Kontinents zeigen und die Deutschen von ihrem einseitig gefärbten Afrikabild befreien. "Wenn die Medien über Afrika berichten, dann nur über Krieg, Hunger, Krankheit oder Korruption", erklärt Tatah. "Viele Deutsche denken, dass alle Afrikaner, die in Deutschland leben, politische Flüchtlinge oder Asylbewerber sind. Das stimmt erstens nicht und hemmt zweitens die Integration." Ihre Mittel: der Verein "Africa Positive", das gleichnamige Magazin, etliche Förderprojekte und ihre Stimme für Afrika. Bei ihrem Engagement, das teils ehrenamtlich, teils professionell ist, geht sie nicht nur an geographische Grenzen, sondern auch an ihre eigenen.

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