Viel Applaus und jede Menge Lob erwarten Friedrich W. Werner auf der heutigen Hauptversammlung von Bijou Brigitte
Glitzerndes vom Schmuggelstieg

Friedrich W. Werner, Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzende des Modeschmuckkonzerns Bijou Brigitte, wird auf der Hauptversammlung am Mittwoch wieder viel Applaus einheimsen können. Denn seit acht Jahren melldet der Konzern Rekordergebnisse. Seit Januar 2000 schoss der Aktienkurs von 8,67 Euro auf heute166 Euro.

HB HAMBURG. Gold, lila und blau strahlen die Kristalle in der Vitrine im Büro von Friedrich W. Werner. „Pyrit, Amethyst, Achat und hier eine Paua Muschel – schön, nicht wahr?“ schwärmt der Gründer, Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzende des Modeschmuckkonzerns Bijou Brigitte.

Auf einen Stein ist Werner besonders stolz. Vorsichtig öffnet er die Glastür der Vitrine und greift einen handtellergroßen, flachen Klotz heraus. Spiegelglatt ist der, schillert punktuell in mehreren Farben und nimmt die Körperwärme rasch an. „Raten Sie mal, was das für einer ist. Darauf kommen Sie nie! Das sind die Exkremente eines Dinosauriers!“ Nein, der gediegene Hamburger Kaufmann im dunkelblauen Zweireiher mit Manschettenknöpfen und Goldrandbrille beliebt nicht zu scherzen. Bei Mineralien und Fossilien ist der 62-Jährige voll in seinem Element. Ihnen gilt seine Leidenschaft.

Reich geworden ist Werner damit aber nicht. Mineralien machen nur ein Prozent des Konzernumsatzes von Bijou Brigitte aus. Sein Geld macht Werner mit billigem Nippes, mit Modeschmuck made in Asia, feilgeboten in rund 700 Filialen europaweit.

Seit acht Jahren vermeldet der börsennotierte Konzern, an dem Gründer Werner 50,1 Prozent hält, Rekordergebnisse. Rund 1,2 Milliarden Euro ist Bijou Brigitte heute an der Börse wert. Seit Januar 2000 schoss der Aktienkurs von 8,67 Euro auf heute166 Euro. Dieses Jahr soll die Dividende drei Euro je Aktie betragen. Eine berauschte Menge dürfte Werner auf der heutigen Hauptversammlung im Hamburger Kongresszentrum wieder erwarten. „Wenn wir solche Leute wie Sie, Herr Werner, in der Politik als Wirtschaftsminister hätten, bräuchten wir uns um Deutschland keine Sorgen mehr machen“, rief im vergangenen Jahr ein Kleinaktionär. Werner selbst sind solche Auftritte sichtlich unangenehm. Seine Rede liest er – meist ohne Aufzuschauen – vom Papier ab. „Erst bei der Frage-Antwort-Runde und wenn es um modische Trends geht,blickt und blüht er auf“, berichtet der freie Analyst Johannes Schwarz. , ein freier Analyst, der seit Jahren die Hauptversammlungen von Bijou Brigitte besucht.

Die Geschichte von Werner und Bijou Brigitte – das ist die typische Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Mit 20 Jahren macht sich der gelernte Außenhandelskaufmann selbstständig. Noch unmündig braucht er für den Gewerbeschein und die Bürgschaft bei der Sparkasse Hamburg-Ohlstedt die Unterschrift seines Vaters. Die kriegt er –trotz seiner wenig seriös anmutenden Geschäftsidee: Handel mit Modeschmuck, den er direkt von einem Freund aus Hongkong bezieht. Mit Samtplatten, auf denen die Halsketten, Armbänder und Ohrringe befestigt sind, tingelt Werner von Drogerie zu Drogerie. Als Warenlager dient der Kofferraum seines Ford 17M.

Der Tand findet reißenden Absatz, so dass Werner bald einen Vertreter einstellen kann. Mit seiner Frau Brigitte, einer gelernten Kindergärtnerin und Namensgeberin für den späteren Konzern, konzentriert sich Werner auf das Entwerfen der Kollektionen. Zu Bestsellern entwickeln sich die so genannten „Chanel-Ketten“, lange Glas- oder Perlenketten, die von Hamburger Hausfrauen in Heimarbeit hergestellt werden.

1976 eröffnet Bijou Brigitte den ersten Laden am Schmuggelstieg in Hamburg-Norderstedt. Wenige Monate später folgt der zweite in einem der ersten Einkaufscenter Hamburgs – die Filialisierung nimmt ihren Lauf. „Kein Wachstum im Hauruckverfahren, sondern durch überlegte, organische Expansion – gepaart mit Ideen, Improvisationstalent, Bescheidenheit, einer besonderen Fähigkeit, andere zu begeistern, Humor und einem guten Gespür dafür, wie sich aus kleinen Dingen und Ideen vieles machen lässt“, nennt das Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU), der Werner Ende Juni für sein Lebenswerk den Hamburger Gründerpreis verlieh.

Doch bei allen Ehrungen und Parkettgeflüster ist der Einzelunternehmer „Friedrich W. Werner Im- und Export“ von 1963 geblieben. Auch mit heute 62 Jahren denkt er noch „gar nicht daran aufzuhören“. Seinen Jaguar E-Type, Baujahr 1973, fährt er weiter geschäftlich. „Ich habe das ganze Leben für diesen Erfolg gearbeitet, jetzt werde ich ihn auch auskosten!“ Einen Nachfolger hat Wernerer aber schon gekürt: Sohn Roland, 36, Betriebswirt und seit 2004 im Vorstand.

Ohne Druck von außen oder unten trifft Einzelunternehmer Werner weiter seine Entscheidungen. Eines seiner Prinzipien: Wachsen nur aus eigenen Mitteln. So ist Bijou Brigitte heute bei einer Eigenkapitalquote von 76 Prozent nahezu schuldenfrei.

Auch bei der für 2006 geplanten Expansion in die USA folgt Werner dem Prinzip Versuch und Irrtum. „Wie überall starten wir mit ein, zwei Läden. Laufen die schlecht, ziehen wir uns ohne große Verluste wieder zurück.“ Laufen sie gut, bauen wir das Filialnetz systematisch auf und aus“, erklärt Werner.

Dass Bijou Brigitte dabei gerade im Bundesstaat des größten Konkurrenten, Claire’s Stores aus Florida, startet, ist kein Zufall. „Wenn wir im Heimatstaat von Claire’s überzeugen, dann schaffen wir es überall in den USA“, erklärt Werner. Einfach machen, einfach versuchen, so lange es nicht zu teuer wird– das hat Werner schon immer so gemacht. Entsprechend säumen auch Irrtümer den Aufstiegdes Schmuckhändlers. Zum Beispiel der Versuch, Modeschmuck direkt an der Haustür zu verkaufen, scheiterte. Auch gelang es Werner bisher nicht, die Produktpalette auszuweiten.Oder Mitte der 90er-Jahre, als Parfüms floppten. Auch Krawatten verkamen bei Bijou Brigitte zu Ladenhütern. „Wir haben an verschiedenen Standorten versucht, Krawatten zu verkaufen“, erzählt Werner, der selbst eine breite rosa Binde mit weißen Streifen trägt: „Aber Ohne Erfolg! Wir kriegen die Männer einfach nicht in unsere Läden.“

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%