Viele Wege führen zum Ziel
Der Mensch ist ein unberechenbares Subjekt

Michel de Montaigne war gerade erst 38 Jahre, als sich der mächtige Politiker aus Bordeaux von seinen parlamentarischen Aufgaben verabschiedete, um ein zurückgezogenes Leben als Autor zu führen

In seinem ersten Roman schreibt Montaigne über Krieg und Geschichte – ein angemessenes Thema für einen Nobelmann. Darin führt er das Irrationale ein – Überraschung, Ekstase, Kriegswut – und zeigt, wie unvorhersehbar die Reaktionen sogar großer, tapferer und virtuoser Menschen sind.

Anhand einiger bisweilen blutrünstiger Beispiele legt Montaigne dar, dass „wir das gleiche Ziel auf verschiedenen Wegen erreichen“: Einige Opfer unterwerfen sich ihren Feinden und bleiben verschont, andere werden getötet, einige widerstehen ihren Bezwingern und werden abgeschlachtet während andere Gnade finden. Montaigne schließt, dass Menschen gemeine, launische, unstete Subjekte sind und sich Umstände und Emotionen bisweilen so verschwören, dass sie unvorhersehbare Ergebnisse zeitigen.

Kaiser Konrad der Dritte zum Beispiel, als er 1140 in Weinsberg den Herzog von Bayern besiegt hatte, wollte sich nicht zu milderen Bedingungen der Unterwerfung herablassen, als dass die Damen der Gesellschaft zu Fuß die Stadt verlassen dürften, ausgestattet mit nur dem, was sie am Körper tragen konnten.

Großzügig mit allen, die er besiegte

Die Damen ergriffen ihre Chance und trugen auf ihren Schultern ihre Männer und Kinder sowie den Herzog selbst aus der Stadt. Der Kaiser, von diesem Großmut aufs Tiefste beeindruckt, weinte aus Freude, löschte in seinem Herzen den Hass, den er gegen den Herzog empfunden hatte und behandelte diesen und die Seinen von Stund an mit großer Menschlichkeit.

Auch von Alexander dem Großen ist bekannt, dass er großzügig mit allen umging, die er besiegte. Als Alexander jedoch die Stadt Gaza niedergezwungen hatte, fand er Betis, den Kommandanten, über und über blutig und verwundet, seine Rüstung in Stücke geschlagen, jedoch immer noch kämpfend gegen Mazedonier, die ihn umringten. Alexander sprach zu ihm: „Du wirst nicht sterben, Betis, wie Du es möchtest, sondern alle Folter erleiden, die möglich ist.“ Als Antwort erhielt Alexander nur einen verachtenden Blick.

Das ließ ihn explodieren: „Ist er zu steif, sein Knie zu beugen? Ist er zu stolz, ein Wort zu sagen? Ich werde sein Schweigen brechen, wenn nicht mit einem Wort aus seinem Mund, dann mit einem Ächzen aus seinem Herzen.“ Alexanders Ärger wurde zur Raserei und er befahl, dass des Betis Fersen durchbohrt, er hinter einem Karren her geschleift, verstümmelt und zerstückelt wurde.

Das Buch dazu: Michel de Montaigne, Essays, Buch 1, Kapitel 1, 1588.

Fazit: Bolko von Oetinger

„Wer nicht Opfer der Krise werden will, muss in ihr zum Täter werden. Man kann sich öfter von den Zwängen des Marktes befreien als man denkt. Das verlangt Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Wer über Spielraum verfügt, kann die Krise nutzen.“

Bolko von Oetinger ist Erfinder der Strategie-Galerie im Internet der Boston Consulting Group.

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