Vieles wirft kein gutes Licht auf Rupprecht: Schwedischer Klartext

Vieles wirft kein gutes Licht auf Rupprecht
Schwedischer Klartext

Hakan Samuelsson steht im Rampenlicht bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Chef des MAN-Konzerns. Der Schwede rückt seine randlose Brille zurecht, erträgt die grellen Blitzlichter mit Gleichmut, lächelt freundlich in die Kameras.

MÜNCHEN. Wirkte der 53-Jährige auf der Hauptversammlung im vergangenen Mai als designierter MAN-Chef neben seinem Vorgänger Rudolf Rupprecht noch etwas unsicher, so nutzte Hakan Samuelsson gleich den ersten großen Auftritt in München, um aus Rupprechts Schatten zu treten. Das leichte Handicap mit der deutschen Sprache überspielt er gekonnt. Er nutzt den limitierten Wortschatz zu seinem Vorteil. Während sich Rupprecht gerne in der Öffentlichkeit im Ungefähren aufhielt, redet der Schwede Klartext: „Es wird keine Quersubvention geben. Jeder Bereich wird an den besten Wettbewerbern gemessen. Wir dulden keine Verluste.“

Es herrscht ein neues, nördliches Klima in dem Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern – klar, bisweilen kühl, aber verbindlich. „Ich liebe Systeme“, gibt Samuelsson zu. Künftig werden alle Sparten an Kennzahlen gemessen, die er zusammen mit dem neuen Controlling-Chef Karlheinz Hornung ausgewählt hat.

Um die strategische Führung des gesamten Konzerns will er sich intensiver kümmern als sein Vorgänger, während er den Sparten, die ihre Renditeziele einhalten, größere operative Freiheiten gewähren will. Mit stärkerem Wissenstransfer und Job-Rotation will er mehr Transparenz und Schwung in den Konzern bringen.

Das alles wirft kein allzu gutes Licht auf seinen Vorgänger. Bedeutet es doch nichts anderes, als dass der Konzern von Rupprecht mehr aus dem Bauch geführt wurde, mit weniger System. Pannen wie der Fehleinkauf des LKW-Herstellers ERF oder bei der Modellumstellung blieben nicht aus und verhagelten die Bilanz. Die alten Strukturen wirken im neuen Licht verkrustet, intransparent und wenig effizient. Der Schwede lässt keinen Zweifel daran, dass er weiß, wie er diese aufbrechen will.

Samuelsson kam vor vier Jahren von Scania und übernahm die MAN Nutzfahrzeuge. Als Erstes musste er die Sparte sanieren. Damit verdiente er sich die Sporen für den jetzigen Aufstieg. Samuelsson, der als sehr beharrlich gilt, hat die Nutzfahrzeuge auf Vordermann gebracht. Es spricht viel dafür, dass ihm Gleiches mit dem Konzern gelingt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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