Vier Fragen an: Arnold Weissman
„Bei vielen überwiegt die Angst“

Arnold Weissman, Unternehmensberater und Professor an der FH Regensburg, über regionale Netzwerke im deutschen Mittelstand.

Herr Weissman, wie ausgeprägt sind regionale Netzwerke im deutschen Mittelstand?

Diese Art der Kooperation wird noch viel zu wenig genutzt. Wir haben in Deutschland sehr viele Regionen, in denen ganze Industrien konzentriert sind. Die Unternehmen in diesen Clustern kennen sich, sie stehen vor denselben Herausforderungen, und deswegen ist das Potenzial einer Zusammenarbeit sehr groß.

In welchen Bereichen lohnt der Austausch über Netzwerke?

Das kann von Finanzierungsfragen bis hin zum gemeinsamen Einkauf etwa von Büroartikeln gehen. Aber auch um gemeinsame Investitionen: Nicht jede kleinere Brauereien muss beispielsweise eine eigene Abfüllanlage betreiben. Es hat große Kostenvorteile, wenn Firmen aus einer Region solche Investitionen gemeinsam vornehmen.

Wo sind die Grenzen?

Die Grenze verläuft dort, wo es um den Kern des operativen Geschäfts geht und um den direkten Kundenkontakt. Netzwerke müssen aber nicht zwangsläufig nur aus Firmen einer Branche bestehen. Mittelständler können übergreifend etwa bei der Aus- und Weiterbildung ihrer Nachwuchskräfte und Topmanager kooperieren. Das eröffnet Chancen, die einzelne Firmen allein nicht haben. Dies gilt auch für die internationale Expansion, die viele Firmen ja nur im Verbund meistern. Sie können beispielsweise Büros und Ladenflächen an ausländischen Standorten gemeinsam mieten. Das geht natürlich nur, wenn sie keine direkten Wettbewerber sind.

Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung bei Kooperationen?

Viele Mittelständler haben die traditionelle Vorstellung, dass man alles alleine machen und selber schaffen muss. Dieses Denken ist schwierig zu ändern. Bei manchen Firmen überwiegt zudem die Angst davor, sich in die Karten schauen zu lassen, die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Ich gehe aber davon aus, dass es künftig mehr Kooperationen und Netzwerke geben wird. Die Einsicht dazu wird allein schon aus der Not heraus, wegen des erheblichen Drucks auf die Gewinne wachsen.

Die Fragen stellte Bert Fröndhoff.

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