Vier Fragen an: Jürgen Mehnert
Hamburg, die Stadt der Gründer

Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte sich Jürgen Mehnert, Referent für Neugründung von Unternehmen an der HK Hamburg, über die Angst vor der Existenzgründung, deren Folgen für den Standort Deutschland und warum gerade Hamburg als Primus gilt.

Handelsblatt: Die Zahl der Unternehmensgründungen war in den beiden Vorjahren in Hamburg weit höher als im bundesweiten Durchschnitt. Was bietet der Stadtstaat, was die anderen Länder nicht haben?

Mehnert: In Hamburg ist der Dienstleistungssektor besonders stark ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen wurde 2005 in diesem Bereich gegründet, im vergangenen Jahr sogar noch etwas mehr. Dazu zählen beispielsweise Seniorenbetreuung, Werbeagenturen, Finanz- oder Softwareberater.

Bundesweit ist die Angst zu scheitern eine relativ große Hürde, in Hamburg ist sie offenbar geringer. Warum?

Das hängt mit dieser Struktur der Unternehmensgründungen zusammen. Viele Gründer gerade aus der Dienstleistungsbranche haben einen entscheidenden Vorteil: Sie haben einen relativ geringen Kapitalbedarf. Und das Risiko, finanziell zu scheitern, ist noch immer die größte Hemmschwelle. Die Angst, gleich zu Beginn in Liquiditätsengpässe zu geraten, ist bei vielen sehr hoch, das merken wir in unseren Beratungsgesprächen sehr deutlich.

Was muss sich hier zu Lande ändern, um diese Sorge zu schmälern und den Menschen Mut zu einem Schritt in die Selbstständigkeit zu machen?

Das unternehmerische Denken sollte so früh wie möglich vermittelt werden. Bereits in den Schulen müssen wir den Kindern vorleben, dass sie mit guten Ideen einiges erreichen können. Wir versuchen das, indem wir Schulklassen in Projektwochen oder mit Hilfe längerfristiger Projekte anleiten, wie man beispielsweise einen Business-Plan schreibt und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um eine eigene Firma gründen zu können. Manche Klassen haben sogar schon für kurze Zeit ein Gewerbe angemeldet. In Hochschulen muss dieser Geist natürlich erst recht viel stärker einziehen.

In Deutschland ist dieser Unternehmergeist allerdings kaum vorhanden. Welche Folgen hat das für den Standort?

Eine Volkswirtschaft braucht immer frische Ideen, um sich gesund entwickeln zu können. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist das essenziell. Und für den Unternehmensgründer selbst hat es natürlich den Vorteil, das Arbeitsleben selbst gestalten zu können und als sein eigener Herr zu leben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%