Vier Fragen an Werner Delfmann: "Der Teufel steckt wie so oft im Detail"

Vier Fragen an Werner Delfmann
"Der Teufel steckt wie so oft im Detail"

Prof. Werner Delfmann, Leiter des Instituts für Messewirtschaft der Universität zu Köln zur Strategie der Messewirtschaft und Privatisierung der Messegesellschaften.

Hohe Fixkosten, Überkapazitäten, wachsende internationale Konkurrenz und der Kampf der Messegesellschaften untereinander machen der Messebranche zu schaffen. Verfolgen die Messen noch die richtige Strategie?

Wenn Sie auf die Strategie von Messegesellschaften abzielen, ihre Kapazitäten in Deutschland in großem Maßstab zu erweitern, so lassen sich reine Erweiterungsinvestitionen mit der Entwicklung von Kennzahlen wie "Anzahl Aussteller", "Anzahl Besucher" oder "vermietete Fläche" nur schwer begründen. Kapazitätsinvestitionen können allerdings sinnvoll sein, wenn sie zu einer höheren Qualität beitragen oder eine flexiblere, effizientere Nutzung der Infrastruktur ermöglichen.

Das Argument der Umwegrendite, die bisher alle Investitionen rechtfertigte, wird immer häufiger in Frage gestellt. Zwingt das die Messen zum Umdenken?

Die Frage nach den Zielen Unternehmensrendite und Umwegrendite lässt sich nur bei differenzierter Betrachtung des kommunalen oder regionalen Kontexts beantworten. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Messeunternehmens ist anhand der Funktion zu bewerten, die es erfüllen soll. Sollen Messegesellschaften in erster Linie nach der Unternehmensrendite beurteilt werden, dann ist über die Privatisierung der Veranstalter nachzudenken. In diesem Fall müssen die Messeunternehmen ihre Aktivitäten losgelöst von den Interessen der Kommunen und Länder neu aufstellen können. Werden Messegesellschaften allerdings als Instrument kommunaler Wirtschaftspolitik gesehen, so wird ihre Fähigkeit zur Erzielung einer - nach Ansicht vieler Experten durchaus bemerkenswerten - Umwegrendite integraler Bestandteil der Bewertung. Die Bewertung nur anhand der Unternehmensrendite greift dann zu kurz.

Der Münchener Industrieökonom von Weizsäcker beobachtet einen Subventionswettlauf, den nur die vollständige Privatisierung der Messegesellschaften beenden könne. Wir sehen Sie das?

Privatisierung sollte nicht als Allheilmittel verstanden werden. Grundsätzlich ist es wichtig, die richtigen ökonomischen Anreize zu setzen und die Gelder sinnvoll zu investieren. Eines scheint aber unverzichtbar: Auch Messegesellschaften mit öffentlichen Eignern haben die Kriterien der Wirtschaftlichkeit zu erfüllen, allerdings in dem erwähnten erweiterten Zusammenhang einer regionalen Wirtschaftspolitik. Völlig unangemessen ist dagegen die undifferenzierte Subventionierung von Messegesellschaften, womöglich aus Steuermitteln.

Es gibt Expertenvorschläge, die Hallen in öffentlicher Hand zu halten und fürs operative Geschäft private Veranstalter ins Boot zu holen. Ist das eine Alternative?

Dies klingt nach einer salomonischen Lösung, die den Vorteil böte, eine Trennung der beiden konfliktären Ziele Unternehmensrendite und Umwegrendite herbeizuführen. Auf der einen Seite könnte die Besitzgesellschaft in öffentlicher Hand, deren primäres Ziel die Erzielung von Umwegrendite sein müsste, selbst interessante Messen an ihren Standort holen. Auf der anderen Seite könnten sich die dann privaten Veranstalter oder Betreibergesellschaften wesentlich ungebundener auf die Erwirtschaftung von "Unternehmensrendite" ausrichten, ohne auf regionale Belange Rücksicht nehmen zu müssen. So einleuchtend einfach dieser Vorschlag einer Trennung von Besitz und Betrieb auch sein mag - der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Prof. Werner Delfmann leitet das Institut für Messewirtschaft der Universität zu Köln.

Die Fragen stellte Reinhard Lückmann

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