Vier von zehn Inhabern scheitern mit ihrem Wunsch, die Firma in Familienhand zu halten
Verkaufsdrama statt Nachfolge

Viele Unternehmer möchten, dass ihre Firma in der Hand der Familie bleibt. Meist klappt das aber nicht.

Mein Lebenswerk soll in den Händen der Familie bleiben“, sagen sich die meisten Unternehmer, wenn sie an Morgen denken: Sie wollen die Firma vererben und von ihren Nachkommen führen lassen. Oft gelingt das auch. Underberg etwa, der Kräuterlikör- Hersteller, befindet sich gerade im Übergang von der vierten auf die fünfte Generation. Gerhard Wempe, der Schmuck-Händler mit Sitz in Hamburg, hat die Nachfolge von langer Hand geplant: Nach gründlicher Ausbildung holte er seine Tochter Kim-Eva, heute 41 Jahre alt, in die Chefetage.

Die meisten Inhaber hätten es gern auf diese Weise. 75 Prozent wollen die Firma in der Familie weitergeben; 51 Prozent hoffen sogar, künftig einen Sprössling der Familie an der Spitze zu sehen. Dies ermittelte die auf Familienunternehmen spezialisierte Beratung Intes in Bonn durch eine Befragung von 250 Betroffenen.

Doch der Wunsch bleibt oft ein Traum: Zwist in der Familie, ungeeignete Erben oder ein Übervater, der nicht abtreten will, verhindern den glatten Übergang. Auch dafür gibt es Beispiele: Im Alter von 77 starb vor acht Jahren der Verleger Gustav Lübbe (Bastei- Lübbe), ohne seine Nachfolge geregelt zu haben. Eugen Viehof verkaufte seine „Allkauf“ an die Metro, weil er sich mit seinen Söhnen uneins über die Zukunft des Geschäfts war.

Das sind durchaus keine Einzelfälle. Bei nur 46 Prozent der Übergaben gelingt es, das Unternehmen in der Familie zu halten, ermittelte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) für das Jahr 2002. Bringt man die Intes- mit den IfM- Ergebnissen zusammen, zeigt sich die Dramatik: Vier von zehn Inhabern scheitern mit ihrem Wunsch, die Firma in Familienhand zu halten.

„Beruflich Profi, privat Amateur“, so lautet salopp die Diagnose von Günter Gross zu diesem Befund. Der Berater und Bestseller-Autor stellt fest: „Viele Unternehmer leisten in ihrem Geschäft Hervorragendes. Aber das Thema Familie und Nachfolge wird wenig professionell angegangen.“ Selbst wenn ein talentierter Junior schon im Geschäft tätig sei, fresse der Streit nicht selten die Energien: „Der Alte wird starrsinnig, der Junge will alles anders machen“, beschreibt Gross, wie die Generationen aneinander geraten. „Hören Sie nicht auf den. Der redet nur Unsinn“, sagt der Senior zum Kunden, kritisch auf seinen Sohn blickend. Situationen wie diese hat Gross in seiner Praxis nicht nur einmal erlebt.

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