Vittorio Colao
Ein Italiener führt Vodafone

Vittorio Colao schafft es im zweiten Anlauf auf den Chefsessel des Mobilfunkriesen. Er will Vodafone auf mehr Effizienz trimmen.

LONDON. Die stürmischen Zeiten bei Vodafone scheinen vorbei. In harmonischer Stimmung übergab der lange umstrittene Vorstandschef Arun Sarin gestern auf der Hauptversammlung des Mobilfunkkonzerns im nüchternen Londoner Konferenzzentrum QE2 die Staffel an seinen 46-jährigen Nachfolger Vittorio Colao. Sarin hat den Wandel vom aggressiven Firmenkäufer in einer Boombranche zum soliden Führer einer reifen Industrie bewältigt. Auf dem Weg dorthin, der gelegentlich einem Zickzackkurs glich, hat der eloquente, oft unnahbar wirkende Inder mit US-Pass einen öffentlich ausgetragenen Machtkampf im Board gewonnen und einen der größeren Aktionärsaufstände der Londoner City ausgesessen. Nun sonnte er sich zum Abschied im verdienten Applaus. Auch Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp trat ab aus dem Vodafone-Board.

Colao, der italienische Kronprinz, geht mit reichlich Vorschusslorbeeren an den Start. "In ihm haben wir einen feinen Nachfolger, und ich freue mich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten", sagte Chairman John Bond auf der Hauptversammlung. Schon einmal war Colao aussichtsreicher Kandidat für die Vodafone-Spitze. Damals zog er gegen Sarin den Kürzeren und gab 2004 enttäuscht den Posten als Regionalchef für Südeuropa, Nahost und Afrika auf.

Das Intermezzo als Chef der italienischen Mediengruppe RCS verlief jedoch wenig erfolgreich. Colao hatte eine Übernahme abzuwehren und überwarf sich mit wichtigen Aktionären. Als sie ihm einen "Tutor" zur Seite stellten, empfand er das als Affront. Da traf es sich gut, dass der damals neue Vodafone-Chairman Bond ihm 2006 den Job als Europa-Chef anbot. Als Sarins Vize hielt er sich als Reservist für den damals angeschlagenen Chef bereit.

Colaos Berufung wurde in der Londoner City überwiegend begrüßt. Der hochgewachsene Mann, der sich bei Windsurfen und Radfahren entspannt, gilt als weltgewandter Vertreter einer neuen italienischen Managergeneration, direkt, zielstrebig und humorvoll. Er begann seine Karriere nach dem Studium in Mailand und Harvard bei der Unternehmensberatung McKinsey & Co. Kritiker halten ihn allerdings auch für undiplomatisch und zu wenig kompromissbereit. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat er das Europa-Geschäft auf die neuen Realitäten reifer Märkte eingestellt. Der Umsatz mit mobiler Datenübertragung steigt kräftig. Doch noch gleicht er den Verfall der herkömmlichen Umsätze nicht aus.

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