Vodafone-Chef Arun Sarin
Britisches Intrigantenstadl

„Versager!“ „Scharlatan!“ – Arun Sarin bekommt auf der Hauptversammlung die geballte Wut der Aktionäre zu spüren - ganz gleich, ob es sich um Privatanleger oder institutionelle Investoren handelt. Dem Vodafone-Chef bleibt nicht mehr viel Zeit für die Sanierung des weltgrößten Mobilfunkanbieters.

LONDON. Kerzengerade sitzt Arun Sarin auf seinem Stuhl, den Rücken durchgedrückt, Anzug und Krawatte sitzen wie immer perfekt. Ab und zu huscht ein kurzes Lächeln über das weiche Gesicht. Der Chef des Mobilfunkkonzerns Vodafone wirkt so kühl und beherrscht, als ob er auch dann nicht ins Schwitzen geriete, wenn im Saal plötzlich die Klimaanlage ausfiele.

Es ist der Tag der Hauptversammlung von Vodafone, der Tag der Abrechnung für Hunderte von Aktionären, die sich auf den Weg ins Londoner Konferenzzentrum „Queen Elisabeth II“ gemacht haben. Für Sarin gibt es heute keine Schonfrist, kein Warmlaufen. Bereits die erste Frage zielt ins Zentrum der Misere: „Warum geht es Vodafone so schlecht?“ will der aufgebrachte Aktionär wissen. „Warum wirkt der Vorstandschef wie ein Versager“, und warum tritt das Management auf wie eine „Bande von Scharlatanen“.

Sarins Hauptproblem ist, dass nicht nur die Privatanleger so emotional reagieren. Viele Investmentprofis sind genauso empört. Mit Standard Life Investments, Morley Funds und Hermes verweigerten gleich drei der zehn größten Aktionäre Sarin gestern die Wiederwahl. „In Vodafone auf Basis der Strategie zu investieren ist, wie ein Lotterielos zu kaufen“, hämte schon vor Wochen David Cumming von Standard Life Investments. Die Intrigen im Board erinnerten an die „Borgias an einem schlechten Tag“. Auf der Hauptversammlung stimmten am Ende rund zehn Prozent gegen Sarin, eine peinliche und eine klare Warnung.

Der Mobilfunkriese ist ins Wanken geraten. Die Stammmärkte des früher unangefochtenen Weltmarktführers sind gesättigt. Sarin sieht sich unter Dauerbeschuss von Finanzinvestoren, die mit der Zerschlagung des Konzerns drohen. Gemessen an den Milliardeninvestitionen für den schnellen Multimedia-Mobilfunk UMTS fällt die Nachfrage bisher eher bescheiden aus. Und schließlich scheint sich der Konzern mit seiner reinen Mobilfunkstrategie ins Abseits manövriert zu haben. „Sarin hat noch eine einzige Chance, mehr als ein Jahr werden ihm die Investoren für die Sanierung nicht geben“, meint ein Banker.

Doch der angeschlagene Vorstandschef ist fest entschlossen weiterzumachen. „Eine überwältigende stille Mehrheit“ stehe hinter ihm, glaubt der 51-jährige Familienvater. Und so wiederholt der gebürtige Inder auf der Hauptversammlung mit leiser Stimme sein Mantra von der Sanierung: Weil die Konkurrenz auf den Stammmärkten brutal ist, will Vodafone in den Emerging Markets wachsen. Außerdem will Sarin den Mobilfunker zum Komplettanbieter umbauen. Aber nicht einmal die beschlossene Sonderausschüttung von neun Milliarden Pfund und die besser als erwarteten Zahlen für das zweite Quartal verschaffen dem Vorstandschef eine Verschnaufpause.

Denn die Großinvestoren kritisieren nicht nur Sarins Strategie, es geht auch um sein Salär. Trotz des Kursverfalls an der Börse soll der Vorstandschef zusätzlich zu seinem garantierten Jahresgehalt von 1,3 Millionen Pfund für das vergangene Geschäftsjahr einen Bonus von 1,4 Millionen Pfund erhalten.

Dabei musste Sarin 2005 gleich zwei Mal die Wachstumsprognose senken. Die ganze Tragweite der Schwierigkeiten wurde in diesem März offensichtlich. Aus einer Krisensitzung des Boards wurde ein Wendepunkt in der Firmenhistorie. Auf Druck der Aktionäre musste sich Sarin zum Verkauf der defizitären japanischen Tochter durchringen. Dazu kamen 34 Milliarden Euro Abschreibungen auf die Ableger in Italien, Deutschland und Schweden. Das war nicht nur das Eingeständnis, dass Megaübernahmen wie Mannesmann zu teuer waren, sondern auch, dass die Märkte langsamer wachsen als erhofft.

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