VÖB
Landesbanken suchen Verbandspräsidenten

Der Verband Öffentlicher Banken Deutschlands braucht einen neuen Spitzenmann. Durchsetzungs- und leidensfähig sollte er sein, belastbar und streiterprobt. Und Angst darf er nicht haben, vor dem „heißen Stuhl“. Außerdem sollte der Neue gleich an mehreren Fronten kämpfen können. Doch bislang will niemand den Job. Oder etwa doch?

MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Rating-Agenturen haben die Landesbanken im Visier, die EU-Kommission verhängt harsche Strafen und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schrieb erst diese Woche den früheren Landesbanken-Chefs ins Stammbuch, dass sie sich in Ermangelung eines tragfähigen Geschäftsmodells in Bereichen engagiert hätten, „von denen sie eigentlich keine blasse Ahnung haben.“



Solchen Forderungen und Vorwürfen muss der Präsident Paroli bieten. Bisher war das der Job des LBBW-Chefs Siegfried Jaschinski. Doch weil der bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf politischen Druck hin seinen Hut nehmen muss, ist auch der Posten an der Spitze des Verbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) vakant. Und die Suche nach einem Nachfolger wird schwierig. „Der personelle Aderlass bei den öffentlich-rechtlichen Instituten in den vergangenen Monaten macht sich jetzt deutlich bemerkbar“, sagt ein Landesbanker.

Als Wunschkandidat und Favorit wird derzeit Michael Kemmer gehandelt, der Vorstandschef der BayernLB. Er gilt mittlerweile als äußerst erfahren im Umgang mit der Politik und mit der EU-Kommission. Und auch das zeitweise sehr gespannte Verhältnis zum bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) soll sich wieder gebessert haben, man habe sich eben zusammengerauft, heißt es in München.

Dabei war Ende Oktober Kemmers Rausschmiss im Grunde schon beschlossene Sache. Seehofer wollte Köpfe rollen sehen, sollte er doch als neuer Ministerpräsident als eine der ersten Amtshandlungen Milliarden in die Bayern LB pumpen. Doch Seehofer hatte die Rechnung ohne die Mitarbeiter gemacht. Die gingen für ihren Chef auf die Straße, Kemmer durfte bleiben. Der Zwist zwischen Kemmer und Seehofer ist heute „history“.

Derart gestählt wäre Kemmer der ideale Kandidat, nur: Er will lieber nicht VÖB-Chef werden, er hat keine Zeit, fühlt sich zu stark eingebunden in die Sanierung der BayernLB, heißt es im Freistaat. Damit würden Hans-Dieter Brenner und Gunter Dunkel, die Chefs der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB, für das Amt in den Fokus rücken. Doch Dunkel werden nur geringe Ambitionen auf den VÖB-Posten nachgesagt und Brenner steht erst relativ kurz an der Spitze in Frankfurt. Zwar war er jahrelang Finanzchef am Main, dennoch muss er sich erst zurecht ruckeln als Herr über die Helaba.

„Die Belastungen der Vorstände sind unglaublich hoch, eigentlich hat keiner Kapazitäten, um das Amt des VÖB-Präsidenten anzunehmen“, sagte ein Beobachter. Brenner oder Dunkel ließen sich höchstens ganz am Ende des Tages in die Pflicht nehmen, wenn keiner mehr die Hand hebt, sagt ein Insider.

Aber eine lange Hängepartie wird sich der Verband nicht leisten können, schließlich geht es jetzt schon um die wichtigsten Weichenstellungen für die Landesbanken seit ihrem Bestehen – wie etwa beim Thema Bad Banks für den Giftmüll aus dem Wertpapierlager.

Und während man beim VÖB noch sucht, nutzt man beim rivalisierenden Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) das Machtvakuum beim Nachbarn aus. Sparkassenpräsident Heinrich Haasis versäumt es nicht, in fast jede Mitteilung auch ein paar Zeilen zu den Landesbanken unterzubringen. Schon einmal hatte der DSGV versucht, den VÖB zu übernehmen. Wenn sich die Landes- und Förderbanken nicht schnell auf einen „Neuen“ an der Spitze verständigen, könnten sie wieder in diese Bredouille kommen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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