Voest-Alpine-Chef Wolfgang Eder
Skipper auf Kurs – quer zum Wind

Mit Böhler-Uddeholm will Voest-Alpine-Chef Wolfgang Eder in die erste Liga der europäischen Stahlkonzerne aufsteigen.

WIEN. Für einen, der sich ab sofort zu Europas Stahlbaronen zählen kann, gibt er sich bescheiden: Wolfgang Eder, Chef der österreichischen Voest-Alpine, die Böhler-Uddeholm übernommen hat. Sein Unternehmen hat mehr als 50 Prozent der stimmberechtigten Aktien des heimischen Beinahe-Konkurrenten erworben. Die genaue Höhe des Anteils will Voest-Alpine im Laufe des Tages bekannt geben.

Eder, der drahtige "Herr Generaldirektor" mit den kurzen grauen Haaren, der Brille mit dem dicken schwarzen Rand und dem freundlichen, nie lauten Umgangston, ist ein Hintergrundarbeiter. Er hat - in Österreichs Führungsetagen eine Seltenheit - kein Parteibuch und ist kein Dauergast in heimischen Talkshows. Er ist Segler und weiß: Am leichtesten fährt es sich quer zum Wind. Mit dem Wind macht es wenig Spaß, und dagegen zu steuern hat keinen Zweck. Das Segeln, so sieht es Eder, der es mit diesem Sport fast einmal bis zur Teilnahme bei Olympia gebracht hat, ist ein gutes Training für einen Industriekapitän, der sein Unternehmen dann und wann durch unruhiges Fahrwasser steuern muss. Und der Böen nutzen muss, um Raum zu gewinnen.

Eine solche Böe hatte vor gut zwei Monaten die heimische Stahlbranche erwischt, als der Edelstahlhersteller Böhler-Uddeholm von einem ausländischen Finanzinvestor gekauft werden sollte. In Österreich, wo die Industrie noch nicht allzu lange ohne die treu sorgende Hand des Staates auskommt, ist so etwas ein Tabu. Als "Fluch der Habsburger" bezeichnet das britische Magazin "Economist" diese Geisteshaltung. "Da hängt uns der einst hohe Anteil an verstaatlichter Industrie nach, im politischen Bewusstsein wie auch im Denken der Menschen. Grundsätzlich ist das in Österreich noch immer ein sensibleres Thema als in vielen anderen Ländern", räumt Eder ein.

Was nach Bekanntwerden der Offerte, die von der Mehrheit der Österreicher sofort als Heuschreckenplage identifiziert wurde, im Hauptquartier der Voest-Alpine in Linz passierte, ist nach Eders Version Folgendes: Der Generaldirektor lässt rechnen. Was sind die Bereiche, in denen Voest-Alpine und Böhler-Uddeholm gemeinsam erfolgreicher sein können als allein? Lohnt sich ein Gegenangebot? Wie viel kann der Linzer Konzern auf den Tisch legen, um einen finanzkräftigen Investor aus dem Rennen zu schlagen?

Das Ergebnis fällt so aus: Eder ist bereit, mehr als 3,6 Milliarden Euro für Böhler-Uddeholm zu zahlen. Damit sei er an die Grenze gegangen, sagt er. Niemals zuvor wird ein derart hoher Preis für ein österreichisches Unternehmen geboten. Schon gar nicht von einem einheimischen Bieter.

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