Volkswagen-Aufsichtsratsspitze
Pötsch soll Piëch beerben

Der Volkswagen-Konzern regelt die drängendste Personalfrage: Der bisherige Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll Chef des Aufsichtsrats werden. Eine außerordentliche Hauptversammlung wird einberufen.
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Stuttgart/WolfsburgVW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrats von Europas größtem Autobauer Volkswagen nachfolgen. Das teilten die Porsche-Holding Porsche SE und die Volkswagen AG am Donnerstag in Stuttgart und Wolfsburg mit.

„Präsidium und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats der Volkswagen AG unterstützen den Vorschlag, Herrn Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Volkswagen AG und zu seinem neuen Vorsitzenden zu wählen“, hieß es bei Volkswagen. Der Manager soll im November auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zunächst in den Aufsichtsrat gewählt werden. „Es wird angestrebt, Hans Dieter Pötsch zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Volkswagen AG zu wählen“, ergänzte die Porsche-Dachgesellschaft.

Der im Streit zurückgetretene Piëch stellte sich hinter die Entscheidung. „Hans Dieter Pötsch besitzt das uneingeschränkte Vertrauen des gesamten Aufsichtsrats der Porsche SE“, erklärte der Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche zu dem Personalvorschlag. Ferdinand Piëch gehört als Miteigner dem Aufsichtsrat der Porsche-Familienholding an. Pötsch habe strategischen Weitblick und eine exzellente Automobilexpertise, ergänzte Porsche.

Piëch war im Frühjahr nach einem verlorenen Machtkampf mit VW-Chef Martin Winterkorn von der Spitze des Kontrollgremiums zurückgetreten. Danach führte übergangsweise der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber den Aufsichtsrat.

Pötsch gilt als ausgewiesener Finanzexperte und auch als einer der Architekten der vollständigen Übernahme von Porsche durch den VW-Konzern am 1. August 2012. Es sei geplant, Pötsch zum Vorsitzenden des VW-Kontrollrats zu wählen, hieß es in einer Mitteilung des mit knapp 51 Prozent größten VW-Eigners. Seine bisherige Funktion als Finanzvorstand der Porsche SE solle er beibehalten. Pötsch ist bislang in Personalunion Finanzchef beider Gesellschaften.

Pötsch wird von seinem Umfeld als ruhiger, kontrollierter und zurückhaltender Charakter mit Teamgeist beschrieben. „Herr Pötsch zeichnet sich durch strategische Weitsicht, tiefe Kenntnisse der Automobilindustrie und große Expertise an den Finanzmärkten aus“, erklärte der Vize-Vorsitzende des Aufsichtsrates, Berthold Huber.

Stadler könnte Pötsch-Nachfolger werden

Der im österreichischen Traun geborene 64-jährige schloss sein Studium an der technischen Hochschule Darmstadt als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab und kam 1979 zum Münchner Autobauer BMW. Dort stieg er zum Hauptabteilungsleiter „Konzerncontrolling im Zentralen Controlling“ auf. 1987 verließ er BMW und wechselte zur Trumpf GmbH, einem Maschinenbau- und Industrielaserhersteller in Ditzingen bei Stuttgart mit damals knapp 3000 Mitarbeitern. Er war dort Geschäftsführer Finanzen und Strategie. Die Anlagen von Trumpf werden auch in der Autoindustrie eingesetzt.

1991 wechselte Pötsch dann an die Spitze des Reichenbacher Industriemaschinenherstellers Traub AG. 1995 übernahm er schließlich als Vorstandsvorsitzender die Verantwortung bei der Dürr AG. Der als Kunst- und Fußballfan geltende Familienvater kam 2003 zu Europas größtem Autobauer Volkswagen. Seit dem 25. November 2009 ist der Manager zusätzlich im Vorstand der Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart, vertreten, wo er ebenfalls die Position des Finanzvorstands einnimmt.

Audi-Chef Rupert Stadler gehört nach dpa-Informationen zum Kreis der Kandidaten als Nachfolger von Pötsch als VW-Finanzchef. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, es gebe mehrere Kandidaten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen.

Erst am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Winterkorns Vertrag als Vorstandschef bei Volkswagen bis Ende 2018 verlängert werden soll. Der VW-Aufsichtsrat soll am 25. September über Winterkorns Vertragsverlängerung beraten. Erst im Frühjahr hatte der inzwischen 68-Jährige ein wochenlanges Machtgerangel mit Piëch überstanden.

Winterkorn war im Frühjahr beim einstigen VW-Patriarchen Piëch in Ungnade gefallen. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, war der damalige Chefaufseher im April vom „Spiegel“ zitiert worden. Insidern zufolge soll Piëch Winterkorns Ablösung betrieben haben. Doch Winterkorn entschied den Machtkampf am Ende für sich, Piëch und seine Frau Ursula legten ihre Aufsichtsratsposten nieder.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Volkswagen-Aufsichtsratsspitze: Pötsch soll Piëch beerben"

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  • Das ist typisch VW. Man bleibt unter sich. Das Beispiel der Deutschen Bank sollte eigentlich eine Warnung sein.

  • Es war ein kapitaler Fehler, ein Ingenieurgenie wie Piëch gegen zu lassen oder gar hinauszudrängen, schlimmer geht es kaum.

    Und an all die Jammerer, die ihn als brillanten Ingenieur bezeichnen, der aber nicht so recht mit allen Menschen kann, sei gesagt, dass VW und Porsche Autos verkaufen und keine Sozialingeniueurdienstleistungen! Das machen staatliche Blindgänger und deren Maßnahmen sind insgesamt eher sehr unsozial, weil die sich nur auf einzelne Bedarfs-Gruppen konzentrieren und bei weitem nicht auf alle Menschen!

    Einen Mann wie Piëch lässt man nicht gehen, so lange der Laden brummt. Das Soziale ist sicher wichtig, viel wichtiger aber ist das sichere monatliche Einkommen der Arbeiter und Angestellten.

    Möge VW nie auf die harte Tour herausfinden, dass ich richtig liege!

  • Pflegen Dritte weiterhin ungebrochen ein instrumentelles Verhältnis zu ihrer eigenen Arbeit, steht der Einzelne nicht zuletzt in den Werkshallen der Volkswagen AG gleichsam mit dem Rücken zur Wand. Insofern dieser Mechanismus unabhängig davon, wer gegenwärtig den dortigen Aufsichtsratsvorsitz innehat, seine Wirkung entfaltet, käme es darauf an, den besagten Unfug schleunigst an dessen Ende kommen zu lassen. Ansonsten besitzt Herr Pötsch als designierter Nachfolger des Herrn Piëch keinerlei Aussichten darauf, jemals erfolgreich handeln zu können und muss angesichts solch kaum mehr sagbaren Frevels noch weit vor dem Amtsantritt sein Scheitern einräumen.

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