Volkswirt ohne ideologische Scheuklappen
Porträt: Ben Bernanke

Neuer Chef der US-Notenbank wird Ben Bernanke. George W. Bush benannte am Montag in Washington seinen obersten Wirtschaftsberater zum Nachfolger von Alan Greenspan. Damit will der US-Präsident offenkundig auf Nummer sicher gehen.

HB WASHINGTON. Mit Ben Bernanke nominierte er am Montag einen der wenigen Wirtschaftsexperten, dem an den Finanzmärkten zugetraut wird, in Greenspans große Fußstapfen zu treten. Für den 51-Jährigen Republikaner wäre die Ernennung zum einflussreichsten Notenbankchef der Welt der Höhepunkt einer Bilderbuch-Karriere, die ihn systematisch immer näher an die Schaltstellen der Macht in Wirtschaft und Politik geführt hat.

Er galt seit langem als Favorit für die Greenspan-Nachfolge und avancierte im Juni zu Bushs Top-Wirtschaftsberater. Im Weißen Haus hat Bernanke gelernt, sich mit seinen oft unbequemen, aber realistischen Ansichten auf der politischen Bühne zu behaupten. Zuvor war er drei Jahre lang als renommierter Gouverneur im Direktorium der Fed einer der wenigen US-Notenbanker neben Greenspan, dessen Worte die Märkte in Aufruhr versetzen konnten.

Einige Experten sind sich sicher, dass der Ökonomieprofessor den Chefposten von Bushs Wirtschaftsberater-Team nur angenommen hat, um seine Chancen für die Greenspan-Nachfolge weiter zu erhöhen. Andere vermuteten, er habe in diesem Job vor allem Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des Präsidenten nehmen wollen. Josh Stiles, Rentenstratege von Ideaglobal in New York, sieht genau darin aber auch eine Gefahr für seine künftige Aufgabe: „Mir macht Sorge, dass er durch seine bisherige Rolle sehr eng mit Bush verbunden ist.“ Der US-Präsident könne daher versuchen, ihn zu beeinflussen.

In der US-Zinspolitik erwarten Volkswirte keine grundlegende Richtungsänderung nach 18 Jahren Greenspan. Allerdings gilt Bernanke im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Anhänger eines öffentlich bekannten Inflationsziels, an dem die Zentralbank ihre Geldpolitik ausrichten soll. Darüber soll er mit Greenspan bei einigen Fed-Sitzungen immer wieder kontrovers diskutiert haben. Nach seiner Einschätzung macht eine konkrete Zielgröße den Kampf einer Notenbank gegen die Inflation glaubwürdiger. Insgesamt dürfte die Fed-Politik Experten zufolge unter Bernankes Führung wohl an Transparenz gewinnen.

Frühere Fed-Kollegen haben Bernanke einmal als „Weltklasse-Volkswirt ohne ideologische Scheuklappen“ bezeichnet. Der Vater zweier Kinder war vor seiner Zeit bei der Fed 17 Jahre lang Volkswirtschafts-Professor an der renommierten Princeton-Universität und am Ende auch Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

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