Volkswirtschaft
Eberhard von Brauchitsch: Eine Manager-Karriere im Zeichen von Flick

Eberhard von Brauchitsch galt in den 70er Jahren als einer der mächtigsten deutschen Industriekapitäne. Im Düsseldorfer Flick-Konzern hatte der Manager eine steile Karriere gemacht, begünstigt auch durch eine persönliche Verbindung.

dpa DüSSELDORF. Eberhard von Brauchitsch galt in den 70er Jahren als einer der mächtigsten deutschen Industriekapitäne. Im Düsseldorfer Flick-Konzern hatte der Manager eine steile Karriere gemacht, begünstigt auch durch eine persönliche Verbindung.

Mit dem unlängst verstorbenen Friedrich Karl Flick hatte er die Schulbank in Bad Tölz gedrückt. Mit der Parteispendenaffäre Anfang der 80er Jahre geriet von Brauchitsch ins Abseits. Aber der Manager kam noch einmal zurück: Er betätigte sich als Unternehmensberater und übernahm 1994 den Aufsichtsratsvorsitz beim ostdeutschen Chemiewerk Buna (Schkopau). Am 28. November wird der Jurist 80 Jahre alt.

Der berufliche Aufstieg des gebürtigen Berliners begann Mitte der 50er Jahre bei der Lufthansa. Zuvor hatte er in Mainz und Berlin Rechtswissenschaften studiert. Der 1,96 Meter große von Brauchitsch, der aus einer schlesischen Adelsfamilie stammt, besuchte die London School of Economics und die Akademie für Internationales Recht in Den Haag. Die engen Beziehungen zur Familie Flick brachten den sportbegeisterten Manager Mitte der 60 Jahre zur Flick KG, wo er geschäftsführender Gesellschafter wurde.

Von 1971 bis 1973 war er Generalbevollmächtigter des Verlegers und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Axel Springer Verlag in Berlin. 1973 folgte von Brauchitsch dem testamentarischen Wunsch des verstorbenen Friedrich Flick, als Gesellschafter in das Imperium am Rhein zurückzukehren. Dort kümmerte er sich fortan um die „Pflege der Bonner Landschaft“ und versuchte, mit seinen Kontakten ein günstiges Klima für das Unternehmen zu schaffen. Das führte ihn schnurstracks in die Flick-Affäre. 1982 trennte sich Flick von ihm.

Wegen Steuerhinterziehung wurde er in der „Parteispendenaffäre“ 1984 zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Über die Flick-Affäre äußerte er sich später noch einmal sehr detailliert in seinem Erinnerungsbuch „Der Preis des Schweigens“. Darin nannte er die Parteispenden „Schutzgelder“, die die Wirtschaft zahlte, um sich vor Repressionen in Form einer wirtschaftsfeindlichen Politik zu schützen. Den permanenten Bitten sämtlicher Parteien und Schatzmeister habe man sich nicht entziehen können.

Um den einstigen Industriekapitän, den Franz-Josef Strauß einmal als „antiquierten frühkapitalistischen Unternehmer“ charakterisierte, ist es nach dem Ausstieg bei Buna ruhiger geworden. Der Manager, der einst zum inneren Machtkreis der deutschen Wirtschaft gehörte, hat mehr Zeit für seine Familie. Seit 1952 ist er mit einer Ärztin verheiratet und hat vier Kinder.

Sein Rat ist auch heute noch gefragt, unter anderem vom Großverleger Hubert Burda. Darüber hinaus berät von Brauchitsch diverse kleine Familienunternehmen. Und damit sein Gedächtnis im Alter nicht rostet, lerne er lateinische Texte auswendig, verriet er unlängst einem Wirtschaftsmagazin.

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