Volleyball rückt in den Blickpunkt der Führungskräfte
Baggern im Sand

Beachvolleyball hat sich vom Urlaubsspaß zu einem Sport mit Kultcharakter entwickelt. Unternehmen wie die Dresdner Bank bringen am Beach ihre Mitarbeiter in Form.

Location Klagenfurt: Vier Modellathleten im sexy Sportoutfit ziehen die Blicke von 14 000 Zuschauern in ihren Bann. Sobald ein Schmetterball im gegnerischen Feld landet, tobt das Beachvolleyball-Stadion am idyllischen Wörthersee. „Die Turniere in Klagenfurt sind für uns in Europa das Größte“, sagt Markus Dieckmann, mit seinem Partner Jonas Reckermann Europameister der Beachvolleyballer.

Den sensationellen Durchbruch von der klassischen Urlaubssportart, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts im kalifornischen Santa Monica ihren Anfang nahm, zum Trendsport schaffte Beachvolleyball nach den Olympischen Spielen in Sydney. Damals rieb sich manch konservativer Sportfreund die Augen angesichts der Partystimmung rund um das Spielfeld.

Mittlerweile ist der Freizeitsport in den Blickpunkt von Führungskräften gerückt. „Beachvolleyball trifft den Zeitgeist auf den Kopf“, erklärt Olaf Kortmann, Managementberater und ehemals Trainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft. Er verweist dabei auf die innerstädtischen Turniere in vielen Citys: „Wer solche Veranstaltungen besucht, stellt fest, dass sich bei diesem Sport vieleElemente vereinen, die auf den ersten Blick sehr widersprüchlich sind.“

Der Managementberater meint damit die Kombination aus harten Techno-Rhythmen, Partystimmung, Körperkult und exzellentem Sport. Während zum Beispiel bei der Tour de France Entbehrung, Knechten und Leistung von den Sportlern gefordert werden, sind diese Attribute beim Beachvolleyball nicht gefragt. „Mit Askese hat dieser Sport nichts zu tun“, behauptet Kortmann.

An diesem Zeitgeistphänomen setzt er in seinen Seminaren an. „Wie bringe ich meine Mitarbeiter zu Höchstleistungen?“ ist die Frage, die sich für ihn immer wieder stellt. Dabei ist es für den Ex-Nationaltrainer immer wieder interessant zu beobachten, wie Metaphern aus dem Sport für die Wirtschaft nutzbar gemacht werden können.

Das schätzt auch Lars Brodersen, Leiter Management Training Region Nord der Dresdner Bank, am Beachvolleyball: „Um unsere Vertriebsmanager fit für den Job zu machen, haben wir sie zum Training mit Deutschlands besten Beachvolleyballerinnen, Stephanie Pohl und Okka Rau, aufs Feld geschickt.“ Dabei konnten die Manager hautnah miterleben, was „coachen“ im Leistungssport heißt, denn die beiden Spitzenspielerinnen wurden von Kortmann trainiert, der ihnen unmissverständlich und klar ihre Fehler während des Spiels aufzeigte: „Solche klaren Formulierungen sind im Wirtschaftsleben ungewöhnlich.“

Dass Hobbysportler über die typischen Beachvolleyball-Kompetenzen nicht verfügen, gibt es selten. Kein Wunder, denn mehr als sechs Millionen Deutsche spielen in ihrer Freizeit Volleyball – und dabei immer mehr am Strand. „Wer im Urlaub seiner Beachvolleyball-Leidenschaft frönen möchte, sollte in Sachen Technik sattelfest sein“, betont allerdings Ulrich Kummetat vom Deutschen Volleyball-Verband in Frankfurt. Dies heißt im Klartext: Fehlen einem die elementaren Grundkenntnisse im Baggern, ist es eher ratsam, die Finger vom Ball zu lassen. „Bei einer ausgefeilten Technik macht das Spiel doppelt so viel Spaß“, verspricht Kummetat.

Doch wer der Technik nicht so einen großen Stellenwert einräumen will, sollte sich den Spaß am Beachvolleyball nicht verderben lassen – denn der ist fast das Wichtigste dabei. Aber ohne Kondition geht es auch nicht. Der weiche Untergrund fordert den Spielern einiges an Kraft und Ausdauer ab. Wer am Strand mit einigen Kilo zu viel antritt, macht nicht nur beim Sprungblock am Netz eine schlechte Figur.

Probates Gegenmittel für solche körperlichen Gemeinheiten ist ein Grundlagentraining, um die Fitness wieder auf Vordermann zu bringen. „Regelmäßiges Joggen oder Radfahren helfen einem dabei“, empfiehlt Kummetat. So körperlich gestählt, macht einem ein Volleyball-Spiel im heißen Sand nur halb so viel aus. Im Gegensatz zum Spiel in der Halle treten beim Beachvolleyball längst nicht so häufig Verletzungen auf. Der weiche Untergrund sorgt dafür, dass Muskeln, Bänder und Sehnen entlastet werden, denn ein großer Teil der nach der „Landung“ aufgewendeten Energie verpufft im Sand.

Für Weekend-Journal-Gesundheitscoach Alois Teuber ist Beachvolleyball ein spielerisches Training, dass insbesondere die Kraftausdauer und die Beinmuskulatur fördert: „Das Herz wird hierbei auf Trab gehalten, weil für schnelle Aktionen viel Blut in die Muskeln gepumpt werden muss.“

Doch nicht nur das Herz-Kreislaufsystem wird beim Beachvolleyball auf Vordermann gebracht, Konzentration und Geschicklichkeit werden ebenfalls kräftig trainiert. Experte Kummetat erklärt warum: „Der sandige Untergrund erfordert besondere Geschicklichkeit, weil hier Fehler schneller bestraft werden. Präzision bei den einzelnen Aktionen ist deshalb wichtig.“ Das sollten sich potenzielle Modellathleten am Beach merken.

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