Vom Assistenten zum Bankchef
Aufstieg eines Kostenkillers

Ein halbes Jahr früher als erwartet übernimmt James Dimon die Führung von JP Morgan. Ende des Jahres, und damit sechs Monate früher als geplant, soll der Ex-Boss der Banc One den 62-jährigen William Harrison als Chef der drittgrößten US-Bank ablösen.

NEW YORK. Schon sehr bald wird James Dimon dort sein, wo er seiner Meinung nach auch hingehört: an der Spitze eines der größten Finanzhäuser. Noch nie hat Dimon an der Spitze eines großen Geldhauses gestanden, dennoch gilt er an der Wall Street bereits als Legende. 2004 wurde der Mann, den die meisten Jamie nennen, zum Banker des Jahres gewählt. Der 49-Jährige mit dem präzisen Seitenscheitel und der markanten Nase hat sich vor allem als Sparkommissar einen nicht immer schmeichelhaften Ruf erworben.

Als er nach der Milliardenübernahme der Banc One durch JP Morgan den Posten des Chief Operating Officers übernommen hat, habe er erst einmal angeordnet, die Portionen in der Kantine um ein Drittel zu verkleinern, erzählt man sich auf den Fluren von JP Morgan. Wohl nur ein boshafter Scherz, doch er zeigt, wie Dimon die Integration von Banc One und JP Morgan managt. Der Sparkommissar hat sich von Tausenden von Arbeitsplätzen getrennt, er hat die Leistungen zur Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter zusammengestrichen, genauso wie das Budget für die Weiterbildung und für Spenden. Nichts ist ihm heilig, "Verschwendung eindämmen", nennt er das.

"Wir sind mit der Fusion schneller vorangekommen als gedacht, und so ist die Zeit reif für die Übergabe", sagte Noch-Chef Harrison vor zwei Tagen bei der Vorlage der Rekordzahlen für das dritte Quartal. Wirklich überraschend kommt der vorgezogene Führungswechsel für kaum einen an der Wall Street. "Dimon hat es geschafft, altgediente JP-Morgan-Manager rauszudrängen und seine Vertrauten von Banc One in die entscheidenden Schlüsselpositionen zu bringen", erzählt ein Banker. Er sei der richtige Mann für diesen Posten: "hart, intelligent, mit einer verblüffenden Auffassungsgabe und mit viel Sinn für die Details". Das lässt sich auch anders ausdrücken: "Dimon ist ein Kontrollfreak, der alle Fäden in der Hand halten will und seine Augen und Ohren überall hat", meint ein Konkurrent.

Dieser detailverliebte Manager stammt aus einer Bankerfamilie, sein Großvater war Aktienhändler, sein Vater auch. Durch seine aus Griechenland stammende Familie lernte Dimon auch den Mann kennen, der für seine Karriere wohl am wichtigsten war: Sandy Weill, den mächtigen Ex-Chef der Citigroup. Nach Abschluss seines Harvard-Studiums wurde Dimon Weills Assistent und blieb über 15 Jahre lang einer der engsten Vertrauten des Bankers. Während dieser Zeit formte Weill aus der Citigroup den größten Finanzkonzern der Welt. Dazu habe Dimon eine Menge beigetragen, heißt es an der Wall Street. Jetzt ist der einstige Assistent selbst zum Bankchef aufgestiegen.

An der Wall Street glauben viele, dass sich Dimon auf Dauer nicht mit der Rolle der Nummer drei auf dem US-Markt zufrieden geben wird, sondern durch den Kauf kleinerer Konkurrenten einen großen Finanzsupermarkt nach dem Vorbild der Citigroup zusammenbauen will. Als Dimon im Juli bei einer Investorenkonferenz auf die Frage nach Übernahmen antwortete: "Wenn Sie eine große meinen, dann vielleicht früh im kommenden Jahr", lief vielen Anlegern ein Schauer über den Rücken. Ihre Befürchtung: Dimon könnte sich in einen neuen Mega-Deal stürzen, bevor er seine Hausaufgaben bei JP Morgan und Banc One erledigt hat.

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