Vom Eon-Chef zum Mentor
Wulf Bernotat zeigt Top-Managern wie es geht

Zusammen mit weiteren bekannten Ex-Chefs gründet der ehemalige Eon-Chef eine Beratung für Top-Manager. Damit schließt Bernotat in Deutschland eine Marktlücke - und die lässt er sich von seinen Kunden gut bezahlen.
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DüsseldorfZwei Jahre ist es her, dass Wulf Bernotat, 63, das Amt als Vorstandschef des Energiekonzerns Eon abgab. Doch von Ruhestand kann keine Rede sein. Stattdessen versucht sich der umtriebige Alt-Manager als Jungunternehmer. Seine Aufsichtsratsmandate bei der Allianz, Metro, Bertelsmann und der Deutschen Telekom und seine Beratertätigkeit für Credit Suisse und Finanzinvestor Permira lasten Bernotat nicht aus: Wie das Handelsblatt erfuhr, hat er mit zwei Mitgesellschaftern eine Firma gegründet. Die Bernotat & Cie. GmbH mit Sitz in Essen engagiert ehemalige Top-Manager als Mentoren für aktive Top-Manager.

Bernotat hat dafür illustre frühere Spitzenmanager aus diversen Branchen um sich geschart. Zu den 13 Mentoren, die für die Beratungsfirma arbeiten sollen, zählen neben ihm selbst Ex-Chefs wie Manfred Wennemer (Continental), Kai-Uwe Ricke (Deutsche Telekom), Bernd Kundrun (Gruner + Jahr), Alexander Mettenheimer (Privatbank Merck Finck), Uwe Franke (BP Europa) und Norbert Klusen (Techniker Krankenkasse). Auch zwei Managerinnen aus dem Mittelstand sind dabei. Einziger Profi-Coach ist Psychologin und Mitgesellschafterin Isabel Witte.

Genauso prominent wie die Mentoren sollen die Kunden sein: Bernotat wirbt derzeit in Deutschlands obersten Führungsetagen für seine Dienste. Aus eigener Erfahrung weiß er: "Wenn man CEO wird, sind die Anforderungen viel komplexer als die eines normalen Vorstandsmitglieds. Plötzlich steht man im Zentrum des öffentlichen Interesses." Der Umgang mit Mitarbeitern, Aufsichtsrat, Vorstandskollegen, Betriebsrat, Aktionären und Politik sei herausfordernder denn je.

Bernotats erfahrene Mentoren wollen Sparringspartner für aktive Manager sein. "Führungskräfte von heute haben - wenn überhaupt - nur einen sehr kleinen Bereich in ihrem Berufs- und Privatleben, der frei von Anforderungen und Beobachtung ist", sagt Bernotat. Beim Mentor dagegen sollen sie einen "agenda- und hierarchiefreien Raum" zur Diskussion haben - Diskretion Ehrensache.

Tatsache ist: Je höher Manager aufsteigen, umso einsamer werden sie. "Viele sind nur noch von Ja-Sagern umgeben, ihnen fehlt ehrliches Feedback", sagt Psychologe Wolfgang Walter, Partner der Personalberatung Heidrick & Struggles, der Vorstände coacht.

"Wir bieten Führungskräften aus Konzernen und Mittelstand ein Mentoring, in dem es neben der Beratung um Reflexion und Erfahrungsaustausch geht", sagt Bernotats Mitstreiter Uwe Franke, Ex-Europachef von BP. Der Vorstand selbst könne Kontakt zu Mentoren suchen. Der Anstoß könne aber auch vom Aufsichtsrat kommen.

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