Vom Gast zum Star
Letzte Ausfahrt Hengersberg

Der türkische Kabarettist Django Asül ist glücklich in Bayern – eine Tatsache, die er nicht zuletzt auf seine Sozialisierung im idyllischen Örtchen Hengersberg zurückführt.

HENGERSBERG. Irgendwas stimmt nicht mit diesem Mann: Er ist türkischer Staatsbürger, erfolgreicher Kabarettist und trägt seit zwei Jahren den Titel „Botschafter von Niederbayern“. Django Asül ist der gelebte Widerspruch – einer, der allen Klischees widerspricht und dem Augenschein nach hervorragend davon lebt.

Als wir uns treffen, bereitet er sich gerade auf seinen Auftritt bei den Ruhrfestspielen vor. Gleich, in zwei Stunden, wird er die Bühne betreten – aufgebaut in einem Theaterzelt hinter dem Festspielhaus Recklinghausen. Rundherum herrscht fröhliche Biergartenatmosphäre. Sein Auftritt an diesem Sommerabend ist der Höhepunkt des Tages. Mit drei Soloprogrammen ist er schon durchs Land gezogen. TV-Größen wie Rudi Carrell und Harald Schmidt haben ihn engagiert. Von den Plakaten lacht ein kurzhaariger Mann mit dunklem Teint, eine Mischung aus Eros Ramazotti und Roberto Carlos. „Nehmen’s Plotz“, sagt er in gepflegtem Niederbayerisch. Willkommen in der Welt des Django Asül.

Hier tritt kein klassischer Einwanderer auf. Kein Tellerwäscher, der zum Millionär wird. Eher ein „Migrant der zweiten Generation“, wie man es im wohl geordneten Soziologendeutsch ausdrücken würde.

1971 verlassen seine Eltern die Türkei, um nach Deutschland zu ziehen. Ein Jahr später wird er geboren, in Deggendorf, einer Kreisstadt im Bayerischen Wald. „Ich musste nicht integriert werden. Ich war ja schon da“, wird er später sagen. In Hengersberg, zwölf Kilometer entfernt, wächst er auf. Dort, wo er auch heute noch lebt. Zu achtzig Prozent sei er niederbayerisch sozialisiert worden. „Ein Glücksfall.“

Natürlich ist Django Asül ein Künstlername. Er will ihn pflegen, auch um Abstand zu halten zur Öffentlichkeit. In Berlin, München oder im Ruhrgebiet stehen die Showbühnen. Das wahre Leben spielt in Hengersberg. Hier hat er seinen Eltern ein Haus gebaut.

7 618 Menschen leben in dem Ort, davon 420 Ausländer. Die amtliche Statistik zählt genau drei Schulen, drei Kindergärten, zwei Büchereien und einen Autobahnanschluss. „Letzte Ausfahrt Hengersberg“ heißt ein Programm, das Django Asül für das Radio geschrieben hat. Er liebt diesen Teil von Deutschland. „Ich kann nur jedem wünschen, dass er in dieser Prärie da draußen aufwächst.“

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