Management
Vom Pastis-Fahrer zum Spirituosenkönig

Patrick Ricard katapultiert mit der Übernahme von Allied Domecq den Konzern Pernod Ricard auf Platz zwei weltweit. Zudem verlässt damit endgültig den Schatten seines Vaters, Paul Ricard, Erfinder des französischen Nationalgetränks Pastis.

PARIS. Nur keine Aufregung. Patrick Ricard mischt sich unter die wartenden Journalisten, gibt jedem die Hand, tauscht ein paar Worte aus und schmaucht dabei noch schnell eine Zigarette. „Dann wollen wir mal“, sagt der bullig wirkende Chef des französischen Spirituosen-Konzerns Pernod Ricard und zwinkert schließlich der Reporterschar zu. Der Gründererbe zeigt sich vor der Pressekonferenz Ende April zur Übernahme des britischen Wettbewerbers Allied Domecq gerade so, als wäre dieses Geschäft im Wert von elf Milliarden Euro ein Alltagsereignis.

Dabei ist es der Deal seines Lebens. Mit der Übernahme bekannter Marken wie Ballantine’s oder Malibu von Allied Domecq steigt Pernod Ricard zur weltweiten Nummer zwei im Spirituosengeschäft hinter Diageo auf. Am Montag stimmten die Aktionäre von Allied Domecq über die Übernahme durch die Franzosen ab. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Damit nimmt der Deal, von dem Ricard „schon lange geträumt hat“, die letzte große Hürde.

Dass der stille und bescheiden auftretende Gründersohn Patrick das 1932 gegründete Familienunternehmen einmal leiten würde, war eigentlich nicht geplant. Pastis-Erfinder Paul Ricard hatte Patricks älteren Bruder Bernard für diese Aufgabe ausgeguckt. Doch 1971 kam es zum großen Krach zwischen dem Wunschnachfolger und seinem Vater. Bernard verkaufte seine Aktien an Ricards Lokalrivalen Pernod. Kurioserweise legte er dadurch mit den Grundstein für die Fusion der beiden französischen Spirituosen-Spezialisten vier Jahre später.

Als Patrick Ricard dann mit nur 33 Jahren die Führung des fusionierten Unternehmens übernimmt, hat er keine Diplome von Eliteschulen in der Tasche. Stattdessen hat er auf Geheiß seines Vaters schon elf Jahre im Unternehmen geschuftet – Ricard machte alles. „Sein Vater misstraute dem französischen Schulsystem“, erzählt ein Freund der Familie. Schon mit zwölf Jahren nahm Patrick Ricard an seiner ersten Verwaltungsratssitzung teil. Um den Filius für Führungsaufgaben fit zu machen, schickt ihn Vater Paul zu Praktika zum Konkurrenten Seagram nach Kanada und in die USA.

Von dort bringt er die Idee mit, Papas Schnapsfirma in einen multinationalen Konzern zu verwandeln. Das traut aber mancher dem Filius nicht zu. Charles Pasqua, Frankreichs Ex-Innenminister, arbeitete in den 60er-Jahren als Vertriebsdirektor bei Ricard und wies den Firmenerben in die Marketingmaterie ein: „Er ist derart verklemmt, dass niemand eine Kopeke auf ihn setzen würde“, sagte er einmal über ihn.

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