Vom provinziellen CDU-Innenpolitiker zum Verteidigungsminister - Porträt des Hessen Franz Josef Jung
Zack-Zack-Fertig-Franz-Josef geht in Stellung

In seinem zweiten Leben als Fußballer war der CDU-Politiker Franz Josef Jung linker Verteidiger – in der Auswahl des Hessischen Landtags. Niemand sollte den Fehler machen, den künftigen Verteidigungsminister im Kabinett der großen Koalition zu unterschätzen, weder auf dem Platz noch in der Politik.

BERLIN/WIESBADEN. Im Wiesbadener Landtag ulken sie nur noch über den neuen Bundesverteidigungsminister. „Jetzt hat er endlich zu seinen Wurzeln als linker Verteidiger zurückgefunden.“ Dabei scheint es höchst dubios, wie jemand Franz Josef Jung überhaupt mit „links“ in einem Atemzug nennen kann. Der Mann ist durch und durch konservativ.

Doch in seinem zweiten Leben als Fußballer war der 56-jährige CDU-Politiker und Dr. jur. eben linker Verteidiger – in der Auswahl des Hessischen Landtags. Mitte der 90er-Jahre im Frankfurter Waldstadion hatte er als Stürmer sein allerschönstes Erlebnis. Damals kam der Pass aus der Tiefe des Raumes ausgerechnet von dem Spieler mit der Nummer 9, von Joschka Fischer. Jung nahm den Ball mit rechts an und hämmerte ihn mit links ins Netz. Die Einblendung auf der Anzeigetafel versetzt ihn noch heute in stolze Verzückung: „1:0 Jung“.

„Als ich das ,1:0 Jung’ aufleuchten sah, wurde mir schlagartig klar, welchen Fehler ich gemacht habe, Jung in eine solch hervorragende Position zu bringen“, gesteht Fischer. Denn keiner sollte den Fehler machen, Jung zu unterschätzen, weder auf dem Platz noch in der Politik. Jung ist schnell und entscheidungsfreudig. Zu seinem 50. Geburtstag 1999 kürte Ex-Minister Matthias Wissmann seinen Freund zum „Zack-Zack-Fertig-Franz-Josef.“

Spitzname und Anekdote sagen viel über den Machtorganisator Roland Kochs und künftigen Verteidigungsminister im Kabinett der großen Koalition. Fortan aber wird er statt Machterhalt die Landesverteidigung zwischen Hindukusch und Oberpfaffenhofen organisieren.

Bundeswehr? Landesverteidigung? Ein Mann mit seinem provinziell-innenpolitischen Lebenslauf? „Einer muss eben die Bresche schlagen“, besänftigt Jung die Skeptiker.

Schon gut. Aber wie wird man Verteidigungsminister, wenn alle Kenner doch behaupten, der Mann ohne Auslandserfahrung und prämienverdächtige Englischkenntnisse wäre ein idealer Landwirtschaftsminister? „Indem Angela Merkel einen vorschlägt“, weicht er zunächst aus und nimmt innerlich schon mal Haltung an. Weiß er doch, dass die Frage eigentlich lauten muss: Welche Qualifikation bringt ein Provinzpolitiker schon mit, der niemals zuvor mit verteidigungspolitischen Initiativen aufgefallen ist?

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