Von Lehman zur Commerzbank
Michael Bonacker: Viel Ego für die Strategie

Michael Bonacker war Chef der Investmentsparte der US-Bank Lehman Brothers – bis diese im vergangenen Jahr kollabierte. Ab September nimmt sich der Banker einer neuen Aufgabe an: Er wird die Konzernentwicklung der Commerzbank leiten. Kritik oder gar Gehässigkeit tritt Bonacker dabei höchst selbstbewusst entgegen.

FRANKFURT. Michael Bonackers Tagesablauf wird ab September wohl kräftig durcheinander gewirbelt. Denn nach Sport und Frühstück mit der Familie geht der Banker gerne ins Büro, um den Vormittag über "grundsätzlich ohne feste Termine" zu arbeiten. Schließlich könne man so besser "nachdenken, nach Lösungen suchen und spontan mit Kunden und Kollegen telefonieren", erläuterte der 42-Jährige im April vergangenen Jahres der "Financial Times Deutschland".

Damals war Bonacker noch Chef des Investmentbankings im deutschsprachigen Raum bei Lehman Brothers, der im Herbst kollabierten US-Bank. Künftig leitet er als Bereichsvorstand die Konzernstrategie der Commerzbank. Und weil diese trotz zwei Rettungspaketen des Bundes vor Herausforderungen steht, darf man sich getrost fragen, ob die neue Arbeit für Bonacker künftig noch Vormittage ohne Termine zulässt.

In der von Gehässigkeiten keineswegs freien Branche fällt das Echo auf den Ex-McKinsey-Partner und seine neue Aufgabe höchst unterschiedlich aus. Während Commerzbank-Chef Martin Blessing von einem "erfahrenen und kompetenten Kollegen" spricht, sehen andere in dem neuen Job vor allem einen Rückschritt. "Wenn so jemand zu einer Großbank geht, müsste er eigentlich den Anspruch haben, Vorstand zu werden", sagt ein Konkurrent. Manche spekulieren, dass Bonacker, der direkt an Blessing berichten wird, das nun über einen Umweg erreichen will. Hinsichtlich des Gehalts musste er vermutlich ebenfalls Abstriche machen. Schließlich befindet sich die teilverstaatlichte Commerzbank hier unter Beobachtung der Politik.

Dabei gilt Bonacker nicht unbedingt als bescheiden. Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, sprechen - zurückhaltend formuliert - von einem "sehr gesunden Ego". Wegbegleiter berichten zudem, er habe bei seinen Ex-Arbeitgebern McKinsey und der Deutschen Bank stets Anspruch auf höhere Positionen erhoben - und sei meist gescheitert. Auch bei Lehman habe es Spannungen gegeben.

Fachlich hingegen müssen selbst Kritiker einräumen, dass der Hobby-Pianist ein heller Kopf ist. Er gilt im Finanzsektor als überaus gut vernetzt, gerade im Landesbankenbereich. Und er schaffte es, 2008 als Berater von Crédit Mutuel die Deutsche Bank im Ringen um die zum Verkauf stehende Citibank hierzulande auszustechen. Wobei nicht wenige im Nachhinein monieren, die Franzosen hätten viel zu viel bezahlt.

Allen Unkenrufen zum Trotz könnte Bonacker nun auf dem für ihn richtigen Posten gelandet sein. Denn bei der Commerzbank stehen im Zuge des Umbaus zahlreiche Abspaltungen an, wo er seine Transaktionserfahrung gut einbringen kann. Konkurrenten weisen zudem darauf hin, dass er die strategische Denkweise eines McKinsey-Mannes nie abgelegt habe. "Der kann die Commerzbank voran bringen", folgert ein Konkurrent.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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