Management
Von Poppenbüttel nach Hollywood

Die deutsche Regisseurin Katja Esson ist für einen Oscar nominiert. Der Drehort von „Ferry Tales“ ist dabei so ungewöhnlich wie das Projekt selbst: Die Damentoilette an Bord.

Ihre dunkelbraunen Rasta-Locken hat Katja Esson hochgebunden, eine Strähne fällt ihr ins Gesicht. Sie grinst: „Wir haben doch schon gewonnen“, sagt die gebürtige Hamburger Filmemacherin, die seit zehn Jahren in New York lebt. Gleich wird sie ihr neues rotes Kimono-Kleid abholen, die Taschen packen und nach Los Angeles fliegen: zur Oscar-Verleihung am Wochenende. Allein die Nominierung wertet die 38-jährige Regisseurin bereits als Sieg. Ihr Dokumentarfilm „Ferry Tales“ konkurriert mit zwei anderen Streifen um die Auszeichnung: „Chernobyl Heart“ zeigt das Leben nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. „Asylum“ berichtet über eine Afrikanerin, die vor der Beschneidung in die USA floh.

Esson, die den Nachnamen aus einer geschiedenen Ehe mit einem kubanischen Maler trägt, hat ihren 40-minütigen Film zusammen mit sechs anderen deutschen Frauen über New Yorkerinnen gedreht, die sich jeden Morgen auf der Fähre von Staten Island nach Manhattan treffen und über ihr Leben reden.

Der Drehort ist dabei so ungewöhnlich wie das Projekt selbst: die Damentoilette an Bord. Dort verwandeln sich die sechs während der Überfahrt von der Ehefrau und Mutter zur Geschäftsfrau. Sie kommen mit Lockenwicklern, lackieren sich die Fingernägel und vertrauen sich Geheimnisse über Ehemänner, Sorgen mit den Kindern und Ärger am Arbeitsplatz an. Der Alltag kommt ungefiltert zur Sprache. „Ich mag diese ungeschminkten Storys“, sagt Esson. Geschichten von der Fähre, der „ferry“ eben, ein Wortspiel mit dem englischen Begriff „fairy tales“, Märchen.

Von den Geschichten war auch der US-TV-Sender HBO begeistert, der die Erfolgsserie „Sex and the City“ produziert. Der Sender kaufte den Film für 50 000 Dollar und überlegt, daraus eine Serie zu machen.

Bisher hat Esson, die ihre Karriere nach dem Studium in Miami als Produktionsassistentin begann, hauptsächlich Industriefilme und kurze Fernsehbeiträge gedreht. Nun sagt sie: „Katja Kümmerle aus Poppenbüttel geht nach Hollywood“, kaum zu glauben.

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