Von Yang bis Dell
Die Bumerang-Chefs

Mit Jerry Yang ist in dieser Woche ein Unternehmensgründer zurück auf den Chefposten gewechselt. Er soll den Internet-Veteranen Yahoo flott machen. Yang ist kein Einzelfall: In den vergangenen Jahren sind eine gange Reihe von Unternehmerpersönlichkeiten nach kurzer bis langer Abstinenz wieder angetreten.

NEW YORK. Michael Dell gab Steve Jobs einst einen bösen Tipp: „Ich würde den Laden (Apple) dichtmachen und das Geld an die Aktionäre zurückgeben.“ 1997 war das. Firmengründer Jobs nahm sich den Ratschlag zu Herzen, kehrte auf den Chefsessel bei Apple zurück und zahlte in der Zwischenzeit sehr viel Geld an die Aktionäre zurück – allerdings ohne den Laden dicht zu machen.

Zehn Jahre später ist nicht nur aus Jobs, sondern auch aus Michael Dell ein Wiederholungstäter geworden. Die Lage im Unternehmen war bedrohlich, der Vorstandschef musste weg, Dell fühlte sich berufen und wurde zum Bumerang-Chef. „Es lebe der König“, titeln die Medien, oder besser noch: „Rückkehr einer Lichtgestalt“.

So viel Licht wie 2007 war selten in den USA, denn die Liste der Firmengründer, die einst im Stillen wirkten und jetzt wieder das Rampenlicht suchen, wird lang und länger: Steve Jobs und PC-Wunderkind Michael Dell gehören dazu, der Online-Broker Charles Schwab sowie neuerdings auch Yahoo-Gründer Jerry Yang. Personalberater betonen, dass hinter der Motivation der prominenten Rückkehrer Emotionen eine wichtige Rolle spielen: Kein Gründer schaue gerne von der Außenlinie zu, wie das selbst aufgebaute Unternehmen in eine veritable Krise rauscht. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, aber immerhin leuchtende Vorbilder: Jobs schaffte im zweiten Anlauf die 180-Grad-Wende und machte aus dem schier hoffnungslosen Fall Apple die aktuell begehrteste IT-Marke der Welt.

Ob auch Yang dieses Kunststück schaffen kann? Nach dem Abgang des erfolglosen Yahoo-Chefs Terry Semel ist die Erleichterung am Finanzmarkt augenfällig, aber ebenso die Skepsis gegenüber dem Mitgründer: „Unter dem Strich hätten wir uns eine deutlichere Abkehr von der Vergangenheit gewünscht“, schreibt Ben Schachter, New Yorker Analyst der Großbank UBS, in einer aktuellen Studie. Man müsse die Frage stellen, weshalb Yahoo nicht nach einem externen Kandidaten Ausschau gehalten habe. Marylin Meeker von Morgan Stanley betont zwar, Yang habe einen Ruf als Ikone der Internet-Industrie und deshalb „hohe Glaubwürdigkeit“. Seine Rückkehr unterscheidet sich von den Fällen Apple und Dell jedoch in einem zentralen Punkt: Im Gegensatz zu Jobs oder Dell war Yang zuvor nie Vorstandschef einer großen Organisation.

In der Internet-Branche hat es Tradition, dass Technik-Freaks die Innovationen ausbrüten, vom operativen Geschäft aber die Finger lassen: Der introvertierte Entwickler und Ebay-Gründer Pierre Omidyar holte die Managerin Meg Whitman ins Haus, um mit dem Web-Auktionshaus in die weite Welt zu expandieren. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin entschieden sich schon 2001 für den früheren Novell-CEO Eric Schmidt als Vorstandschef. Auch als Yahoo in der Hochphase des Internet-Booms an die Börse gebracht wurde, musste mit Tim Koogle ein Mann mit Management-Erfahrung an Bord. Zehn Jahre später wagt der Tüftler Yang ein Experiment: Er wechselt mit 38 an die Spitze einer Organisation, die inzwischen 12 000 Mitarbeiter beschäftigt und sechs Mrd. Dollar Umsatz macht.

Anthony Valencia von der TCW Group, die in Los Angeles ein Vermögen von 160 Mrd. Dollar verwaltet, stellt die Besetzung in Frage: Es seien „zwei verschiedene Dinge, ob man intimer Kenner des Unternehmens ist oder eine Erfolgsgeschichte auf einer Vorstandsposition vorweisen kann“.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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