Vorbereitung auf Notfälle schützt Unternehmen vor Imageschäden, setzt aber harte Arbeit und viele Übungen voraus: Trainieren, bevor die Krise zuschlägt

Vorbereitung auf Notfälle schützt Unternehmen vor Imageschäden, setzt aber harte Arbeit und viele Übungen voraus
Trainieren, bevor die Krise zuschlägt

Am Nikolaustag verlor Müller-Milch-Chef Theo Müller die Nerven. Acht Greenpeace-Aktivisten hatten sich vor dem Werkstor des Konzernsitzes der Müller-Milch-Gruppe in Arentsriet bei Augsburg postiert. Sie protestierten dagegen, dass Müller-Milch von Kühen verarbeitet, die mit genmanipuliertem Soja gefüttert werden.

HB DÜSSELDORF.Erst ging der Alleingesellschafter des Unternehmens handgreiflich auf die Demonstranten los. Dann versuchte er, zwei Fotografen die Kameras zu entreißen. Die Bilanz laut Greenpeace: Zwei zerstörte Kameras, Schürf- und Schnittwunden, Prellungen und Blutergüsse.

In Momenten wie diesem ist die Stunde der PR-Fachleute gekommen, die auf Prävention und Kommunikation von Krisen spezialisiert sind. Sie helfen Unternehmenslenkern, besonnener zu reagieren, wenn unversehens Demonstranten vor dem Tor stehen, fehlerhafte Produkte im Begriff sind, unliebsame Schlagzeilen zu machen oder die Gerüchteküche im Internet überkocht. „Von den meisten Pannen erfährt die Öffentlichkeit nichts. Dass Unvorhersehbares geschieht, ist kein Problem“, weiß etwa die Kommunikationsexpertin Sigrid Baum aus Issum am Niederrhein, „entscheidend ist, wie man damit umgeht.“

Müller fehlte ein Plan. Einen, den sich Baum in ihrer Zeit als Chefin der Öffentlichkeitsarbeit beim Lebensmittelhersteller Yakult, bei der Diebels-Brauerei und auch als Geschäftsführerin beim Tiefkühlkostlieferanten Bofrost mit Profis erarbeitet hatte – eine Krisenreaktionsstrategie. „Wenn man sich gut vorbereitet, hat man 60 Prozent aller Krisen im Griff“, ist sie sicher.

Zum Beispiel: Presseerklärungen in allen denkbaren Krisenvarianten können vorbereitet in der Schublade liegen. Fertige Internet-Seiten, Dark Sides, sollten angelegt sein, damit sie im Ernstfall nur noch freigeschaltet werden müssen. Auch Videofilme über die Qualitätskontrolle, Herstellungsverfahren oder Herkunftsländer sowie Statements von Fachleuten lassen sich auf Vorrat produzieren.

Der wichtigste Faktor im Krisenfall ist die Zeit, „weil sich Nachrichten heute im Affenzahn verbreiten,“ betont Baum, die inzwischen eine eigene Firma für Kommunikations- und Krisen-PR gegründet hat. „Denn Weblogs, die privaten Nachrichtenseiten im Internet, und Mobiltelefone sorgen dafür, dass Sie gar nicht mehr die Luft haben, erst einmal eine Liste zu machen, wer alles angerufen werden muss.“ Sie hilft ihren Kunden, im Voraus festzulegen, wie Abläufe und Zuständigkeiten aussehen und wie welcher Entscheider erreicht werden kann. Baum: „Das Vorbereiten auf Krisen ist eine echte Chance, Abläufe zu strukturieren und Verantwortlichkeiten zu definieren.“

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