Vorbereitung für schlechte Zeiten
„Ducks“-Konzerne horten ihr Geld

Den 30 Dax-Konzernen geht es wieder besser, ihre Bilanzen haben sich stabilisiert. Was neu ist: Die Unternehmen setzen zunehmend auf Eigenkapital und Cash - und bereiten sich auf einen Abschwung vor.
  • 0

DüsseldorfVW-Chef Martin Winterkorn bringt die Stimmung in den Führungsetagen der Konzerne auf den Punkt. "Man muss auch den Augenblick genießen können", sagte er vor einigen Tagen im Handelsblatt-Interview. Winterkorn macht sich keine Illusion: "2012 wird wesentlich härter."

Trotzdem bleibt Deutschlands mächtigster Autoboss gelassen. Aber nicht nur Volkswagen, auch die meisten anderen großen Konzerne sind finanziell bestens auf einen möglichen Abschwung vorbereitet. Die Unternehmen haben den zurückliegenden Boom genutzt, um genügend Cash für Notfälle zu horten und das Eigenkapital als Sicherheitspolster aufzustocken. Im Vergleich zu 2007, dem letzten Jahr vor der Zuspitzung der Krise, haben sich die Bargeldbestände der 25 größten deutschen Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne bis Mitte dieses Jahres um 16 Milliarden Euro oder knapp 23 Prozent erhöht. Zugleich haben die Konzerne das Eigenkapital für unsichere Zeiten aufgestockt.

Den - relativ - größten Sprung nach vorn machte Post-Chef Frank Appel. Die Eigenkapitalquote des Bonner Konzerns verbesserte sich in den vergangenen viereinhalb Jahren von 5,9 auf 28,2 Prozent. Appel profitiert dabei vor allem vom Verkauf der Postbank. Denn die milliardenschweren Spareinlagen der Bankkunden - aus Sicht der Post war das Fremdkapital - verzerren jetzt nicht mehr die Bilanz des Konzerns. Die stärkste Eigenkapitaldecke unter den Dax-Konzernen haben seit Jahren der Chiphersteller Infineon und der Hautpflegespezialist Beiersdorf. Bei beiden Unternehmen liegt der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme bei rund 56 Prozent.

Aber auch andere Dax-Konzerne haben gut gewirtschaftet und ihre Bilanzen gestärkt. Zur Jahresmitte lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller 25 Unternehmen bei 36,4 Prozent. Das ist gut ein Prozentpunkt mehr als im Boomjahr 2007. Dabei hatten die Unternehmen im Frühjahr noch die enorme Summe von 26 Milliarden Euro als Dividende ausgeschüttet. Aber trotz dieses Geldsegens blieb noch genug zur Stärkung des Eigenkapitals übrig.

Kommentare zu " Vorbereitung für schlechte Zeiten: „Ducks“-Konzerne horten ihr Geld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%