Vorfahrtsrecht auf der Piste
Skifahrer müssen Verkehrsregeln beachten

Autofahrer kennen das - Skifahrer sollten es ebenfalls wissen: Auf Straße und Piste gelten Verkehrsregeln. Wer sich nicht daran hält, wird zur Rechenschaft gezogen. Das musste jetzt ein junger Skifahrer vor Gericht erfahren. Er hatte sich nicht an die so genannten FIS-Regeln gehalten.

HB KÖLN. Jeder Skifahrer und Snowboarder ist verpflichtet, die zehn Verhaltensregeln des Internationalen Skiverbandes (FIS) aus dem Jahr 2002 zu kennen und einzuhalten. Wer gegen diese Regeln verstößt und dadurch einen Unfall verursacht, kann häufig problemlos zur Kasse gebeten werden, warnen die Experten des Internet-Portals "Anwalt-Suchservice". Sie verweisen auf eine Entscheidung des Landgerichts Ravensburg.

In dem zugrunde liegenden Fall war eine Skifahrerin eine Piste hinab in eine Senke gefahren, in der mehrere Abfahrten zusammenkamen und von der aus drei Lifte nach oben führten. Die Dame steuerte aus der Fahrt heraus mit einem Linksschwung eine Liftstation an. Ein von hinten kommender junger Skifahrer raste in voller "Schussfahrt" ihr in die Seite. Der Zwölfjährige wollte eine andere Liftstation erreichen - mit hohem Tempo, um es ohne lästiges Schieben bis zur Station zu schaffen.

Der Junge blieb unverletzt, die Frau brach sich hingegen das linke Schlüsselbein. Später forderte sie von dem Heißsporn Schadensersatz und Schmerzensgeld, doch der war der Ansicht, dass die Frau selbst an dem Unfall schuld gewesen sei. Schließlich sei sie abrupt und für ihn unvorhersehbar quer nach links abgebogen, ohne sich vorher umzuschauen, so der Bursche. Der Fall landete vor Gericht.

Das LG Ravensburg gab der Skifahrerin Recht (Az.: 2 O 392/06). Die Frau könne die Erstattung ihres Schadens und die Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes verlangen, so das Gericht. Der Junge habe gegen die für Ski- und Snowboardfahrer verbindlichen FIS-Regeln Nr. 3 und 4 des Internationalen Skiverbandes verstoßen und dadurch einen Unfall verursacht, bei dem die Frau verletzt worden sei. Die Regel Nr. 3 gewähre dem unteren Fahrer uneingeschränkten Vorrang gegenüber dem von hinten bzw. oben kommenden.

Der von hinten kommende Fahrer müsse grundsätzlich damit rechnen, dass ein vorausfahrender Sportler jedes theoretisch mögliche Ziel - auch abrupt und quer zum Hang - ansteuern könne. Das habe der Junge mit seiner "Schussfahrt" ignoriert, so die Richter. Sein Eigeninteresse, mit ausreichend Tempo die Liftstation zu erreichen, könne sein Fehlverhalten nicht rechtfertigen. Ferner habe der Bursche beim Überholen nicht den gemäß Nr. 4 geforderten Sicherheitsabstand eingehalten. Denn auch, wenn beide verschiedene Ziele ansteuerten, habe es sich um ein Überholmanöver gehandelt, so das Gericht. Da die Frau sich unter Ausnutzung der Schwerkraft hangabwärts bewegt und nicht gestanden habe, sei sie nicht zur Rücksichtnahme gegenüber nachfolgenden Skifahrern verpflichtet gewesen.

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