Vorgesetzte
Sabotage im Büro

Es gibt Chef, sogenannte Saboteure, die nur dann wirklich zufrieden sind, wenn sie ihre Entscheidungen – und somit auch ihre Fehler – auf andere Kollegen abschieben können. Wie geht man mit solchen Vorgesetzten um? ?

LOS ANGELES. In der US-Fernsehserie „The Office“ spielt Steve Carrel einen Büromanager, der zwar auf alles eine Antwort, aber doch selten eine Lösung findet. Seine Bemerkungen sind oft verletzend und erniedrigend. Und wenn er auf die schneidenden Angriffe gegen seine Mitarbeiter angesprochen wird, zuckt Manager Carrel nur unschuldig mit den Schultern: „War doch alles nur ganz harmlos gemeint“, meint der trottelige Chef dann und fügt hinzu: „Ein echter Irrtum.“

Trotz aller falscher Fährten, dubioser Wiedergutmachungsgesten: Carrel ist das, was man einen klassischen Saboteur nennt. Einer von jenen Managern, die nur dann wirklich zufrieden sind, wenn sie ihre Entscheidungen – und somit auch ihre Fehler – auf andere Kollegen abschieben können. Ein Manager, den wohl jeder Arbeitnehmer irgendwann in seinem Berufsleben schon einmal getroffen hat.

Der Saboteur ernährt sich von passiver Aggressivität. Er ist vordergründig freundlich und ein Meister der Nichtantwort. Und er ist meist sehr schwer auszumachen. „Wenn dir jemand ins Gesicht schlägt, dann weißt du, das ist ein Akt von Aggression“, erläutert Tim Murphy, Psychologe und Autor des Bestsellers „Overcoming Passive-Aggression“. Passive Aggressivität hingegen sei „äußerst schwer zu lokalisieren und noch schwieriger in den Griff zu bekommen“, fügt der Autor hinzu.

Gerade im Berufsleben – hier sind Saboteure so etwas wie zu viel Salz in der Kantinensuppe. „Sie können die Produktion eines Unternehmens durch ihr Verhalten lähmen“, weiß Beverly Engel, Therapeutin und Autorin des Buches „Honor your Anger“. Engel führt aus: „Saboteure leben ihren Frust im Beruf durch bewusste Ineffizienz und ewiges Hinauszögern von Entscheidungen und Terminen aus.“ Die Motivation des Büro-Saboteurs? „Ich lasse mich nicht kontrollieren.“

Wie aber ist der Büro-Saboteur am besten zu erkennen? Welche Verhaltensmuster entlarven ihn? Psychologe Murphy unterscheidet zwei Arten von Saboteuren im Arbeitsleben: Zum einen ist da der „Escape Artist“, der Meister des Verdrückens. Der drückt sich vor jeglicher Verantwortung und windet sich aus jeder Situation, die ihm Ärger einhandeln könnte, irgendwie heraus. Dann gibt es noch den Ja-Sager. Das ist jener Saboteur, der die indische Küche verabscheut, aber dennoch zum Kollegendinner beim Inder erscheint. „Er will zumindest vordergründig keinen Konflikt, meckert aber den ganzen Abend über die Speisekarte und bestellt schließlich nur ein Glas Wasser“, erzählt Murphy. Engel glaubt, dass gut die Hälfte aller Saboteure sehr wohl weiß, was sie anrichtet. „Die andere Hälfte glaubt, dass ihre passive Aggressivität ganz normal ist. Sie wundert sich dann, dass sie das Blut der Kollegen zum Kochen bringt.“

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