Vorgesetzte sind oft Opfer ihrer eigenen Vorurteile
Das Chaos managen wie ein Feldwebel auf dem Schlachtfeld

Besondere Aufmerksamkeit sollten sie einem Mitarbeiter schenken, der seine Gewohnheiten ändert – plötzlich seinen Schreibtisch umgestaltet, zum Beispiel den ordentlichen Tisch mit esoterischen Steinen schmückt. „Da ist etwas passiert“, weiß Psychologe Lermer. „Vielleicht ist der Mitarbeiter unglücklich und braucht Halt“. Und Gabriele Böhm ergänzt: „Der Chef sollte das ansprechen. Das gibt dem Mitarbeiter das gute Gefühl, keine Nummer zu sein. Und das sorgt für eine stärkere Anbindung an das Unternehmen“.

So hält es auch Karsten Henze, wenn ihm ein Mitarbeiterschreibtisch besonders auffällt: Er spricht den Besitzer an. Auch wenn für ihn der Grundsatz gilt: „Ich möchte niemandem Vorschriften machen, solange die Mindestanforderungen erfüllt sind. Schließlich kann nicht jeder einen leeren Schreibtisch so lieben so wie ich.“

Und das spricht wiederum Bände: Vorgesetzte sind Opfer ihrer eigenen Vorurteile. Eine aktuelle Umfrage der Universität Manchester unter 500 Führungskräften ergibt, dass zwei Drittel der Chefs Mitarbeiter mit aufgeräumtem Schreibtisch bevorzugen. Sie glauben, dass hinter einem chaotischen Arbeitsplatz ein amateurhafter und unzuverlässiger Kantonist sitzt. Doch weit gefehlt. Nur auf einen Typ Mitarbeiter trifft dies tatsächlich zu: Auf den chaotischen Wirbelwind, der sich zu viel aufhalst und dann noch verzettelt.

Aber diese Vorurteile haben alle, die besonders karriereversessen sind, ohnehin im Kopf und konditionieren damit ihre Vorgesetzten. Sie senden fleißig das richtige Signal – sehen zu, dass ihr Schreibtisch immer einen aufgeräumten Eindruck macht.

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